Köpfe

Zahlen, Daten, Fakten? Na logisch!

100 Jahre ist es her, dass Marie Curie ein zweiter Nobelpreis verliehen wurde. Damals war sie eine Sensation. In Deutschland gehen heute noch wenige Frauen in Forschung und Entwicklung. Drei von ihnen zeigen, worauf es ankommt.

DLR-Mitarbeiterin Prof. Dr. Christiane Voigt
DLR-Mitarbeiterin Prof. Dr. Christiane Voigt

Kondensstreifen. Hoch am Himmel erinnern sie den einen an Urlaub, den anderen an Kerosinsteuern. Christiane Voigt erinnern sie an ihre Forschung. Sie ist Gruppenleiterin am Institut für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Juniorprofessorin an der Johannes Gutenberg Universität Mainz. „Eiswolken sind große Unbekannte im Klimasystem“, sagt Voigt. „Außerdem, aber das nur nebenbei, ist die Ästhetik von Eiskristallen sehr inspirierend.“ Sie arbeitet daran, eine Menge weißer Flecken in der Wissenslandschaft mit Erkenntnissen zu füllen. Etwa: Welche chemischen Reaktionen laufen an der Oberfläche dieser von Menschen verursachten Eiswolken ab, und wie beeinflussen diese Reaktionen den Ozonhaushalt der Atmosphäre? Und das Klima? Knifflig ist auch die technische Seite der Messungen auf Forschungsflugzeugen.

Nach den Geburten ihrer ersten beiden Kinder profitiert Christiane Voigt davon, dass ihr das DLR flexible Teilzeitmodelle anbietet. Beim dritten Kind wählt sie eine andere Lösung: Ihr Mann nimmt Elternzeit und begleitet sie mit den Kindern für ein Forschungssemester nach Colorado. Dort kümmert sie sich intensiv um Flugzeugemissionen und Eiswolken. Inzwischen hat sie der Alltag in Deutschland wieder eingeholt. „Oft sind da gute Organisation und Improvisationstalent gefragt“, so Voigt. „Andererseits führt die tägliche wie auch die längerfristige Priorisierung der Aufgaben zu einer extrem effektiven und zielgerichteten Arbeitsweise.“

Bertha Benz-Preisträgerin 2011 Dr. Katrin Baumann
Bertha Benz-Preisträgerin 2011 Dr. Katrin Baumann

Wie ein Magnet oben auf der Karriereleiter wirkt die Anwendbarkeit. „Die Anerkennung dadurch, dass die Ergebnisse wirklich eingesetzt werden, motiviert für die weitere Arbeit unglaublich“, sagt Katrin Baumann. Die Maschinenbauerin hat sich diese Anerkennung nicht nur in der Werkstatt geholt, sondern auch auf einem festlichen Podium: Sie bekam für ihre Dissertation über rotierende Maschinen den Bertha Benz-Preis 2011. Auf dem Weg dorthin übt sie die hohe Kunst der Forschung: aus Fehlern lernen. Baumann bekommt massive Probleme mit der elektromagnetischen Verträglichkeit der Messtechnik an ihrem Versuchsstand. Erst als sie sich an die Elektronik-Werkstatt ihres Fachbereiches wendet, findet sich eine Lösung. „Mein Fazit: Wenn die eigene, gründliche Fehlersuche ergebnislos bleibt, sollte man nicht lange zögern und sich Rat von anderen einholen.“

Um in diesem Berufsfeld weiterzukommen, brauchen Frauen zudem mehr als gute Ideen. „Frauen müssen – genau wie Männer – ihre Ergebnisse und Leistungen in weiten Kreisen präsentieren, um sich bekannt zu machen“, sagt Baumann. Sie fand es ganz normal, Maschinenbau zu studieren. Sie hat Vorbilder in der Generation ihrer Eltern – weil sie aus Chemnitz stammt. „In der DDR war es selbstverständlich, dass Frauen als Ingenieur oder Naturwissenschaftler arbeiten.“ Heute gehört sie zu einer Minderheit. Die Kennzahlen für ihren Jahrgang sind noch nicht veröffentlicht. Aber 2008 betrug der Frauenanteil an Promotionen in den Ingenieurswissenschaften magere 14,3 Prozent.

Patentanwältin Konstanze Graser
Patentanwältin Konstanze Graser

Juristinnen haben mehr weibliche Gesellschaft – aber nicht, wenn ihre Berufswahl ein technisches Studium voraussetzt: Konstanze Graser war zu Beginn ihrer Karriere die einzige und erste Frau in ihrer früheren Kanzlei. Als Patentanwältin im Bereich Lebensmitteltechnologie beginnt sie ihre Ausbildung in einer Kanzlei, deren Seniorchef überzeugt ist, Frauen seien für diesen Beruf nicht geeignet. Graser tritt den Gegenbeweis an – und wechselt die Kanzlei. Inzwischen ist sie Partnerin bei Stolmár Scheele & Partner.
Sie rät davon ab, sich an typisches Männerverhalten anzupassen, indem man etwa ständig auf das Blackberry schaut oder zu Beginn eines Mandantengesprächs erst einmal die größten Fälle der Karriere Revue passieren lässt. Sie stellt fest: „Hat auf der Mandanten-Seite eine Frau das Sagen, kommt es oft gut an, wenn das Repräsentieren wegfällt und man direkt auf den Punkt diskutieren kann.“ Für ein solches Umfeld sorgt sie inzwischen selbst: Zusammen mit einer Kollegin gründete sie das Netzwerk „Women in IP“.

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