Karrieretipps

Queen Bees – Chefinnen mit Stachel

[Text: Sigrid Frank] Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Chefin ganz schön stachelig zu Ihnen ist, Ihre Arbeit ungerechtfertigt kritisiert und Ihnen kaum Raum für vernünftigen Umgang miteinander lässt, dann haben Sie es wahrscheinlich mit einer Queen Bee zu tun. Sigrid Frank, erfahrene Personalentwicklerin und Karriereexpertin, erklärt das Phänomen und was Sie dagegen tun können.

Was versteht man unter einer Queen Bee?
Zwei Merkmale zeichnen eine Queen Bee aus: Eine Queen Bee ist eine weibliche Führungskraft, die deutlich sehr hart im Umgang mit ihren Mitarbeitern (vor allem Mitarbeiterinnen) ist. Zum anderen zeigt sie die Tendenz, den Aufstieg anderer Frauen deutlich zu erschweren. Meistens sind Queen Bees Frauen jüngeren oder mittleren Alters, die in einer höheren Position sind, ihre Karriereziele also meistens schon erreicht haben. Man findet sie in Organisationen mit einer ausgeprägten männlichen Unternehmenskultur. Gern vergleicht man sie auch mit dem Klischee eines knallharten Leaders, der über Leichen geht.

Wie erkenne ich eine Queen Bee?
An zwei Verhaltensmerkmalen: Dass sie mehr Zeit mit männlichen Mitarbeitern verbringt und dass ihre Mitarbeiterinnen vernachlässigt. Auffällig oft sucht sie auch auf gleicher Ebene eher den Kontakt und die Nähe zu männlichen Kollegen. Und sie verbringt gern Zeit mit ihrem Chef – einem Mann natürlich.
Ihren weiblichen Mitarbeitern gegenüber lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie von deren fachlichen Leistungen gar nichts hält. Gern macht sie bitter-süße Komplimente oder zeigt sich pseudo-besorgt. Sie betreibt hinter dem Rücken der Mitarbeiterinnen soziale Manipulation und schädigt deren Ansehen nachhaltig. Man sagt Queen Bees auch nach, dass sie unausgeglichen und launisch seien. So vertritt sie heute diesen, morgen einen anderen Standpunkt. Hat sie etwas gesagt und möchte man sie daran erinnern, war es plötzlich alles ganz anders.

Wie wird eine Frau zu einer Queen Bee?
Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Einer ist sicherlich in der Angst vor Konkurrenz zu suchen. Queen Bees sind höchst machtbewusste Frauen. Um ihre Position zu verteidigen, müssen sie permanent viel Energie einsetzen. Ständig sind sie auf der Hut und beobachten pausenlos ihre Mitarbeiter und ihr Umfeld. Manch eine zahlt einen hohen Preis in Form von Verspannungen, Migräne und Blasenentzündungen.

Ein weiterer Grund für ihr Verhalten ist darin zu suchen, dass sie eine Ambivalenz zum eigenen Geschlecht zeigen. Auf der einen Seite grenzen sich die Queens gegen ihre Weiblichkeit ab, auf der anderen legen sie viel Wert darauf. So ist oft von ihnen zu hören, dass sie als kleine Mädchen mit Autos gespielt haben. Je schwächer ihre Geschlechtsidentität ist, desto mehr zeigen sie einen männlichen Führungsstil. Sie glauben, dass  sie ihre Position nur halten können, wenn sie härter als ihre männlichen Kollegen sind.

Auch die Konfliktvermeidungsstrategie von Frauen kann ein Grund sein. Frauen scheuen eher die offene Auseinandersetzung und leben Aggression indirekt aus. Was sich in solchen Aktionen zeigt wie Gerüchte streuen, Intrigen schmieden oder in versteckten Andeutungen.
Das Alter spielt eine wichtige Rolle. So haben eher jüngere und Frauen mittleren Alters anderen Geschlechtsgenossinnen gegenüber Vorurteile als ältere. Mütter zeigen aufgrund der Erziehung ihrer Kinder ein eher soziales Interesse.

Was kann ich tun, wenn meine Chefin eine Queen Bee ist?
Frauen, die unter einer Queen Bee arbeiten, zeigen auffällig oft körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen oder Magenprobleme. Hier reagieren Menschen aber ganz unterschiedlich. In einigen Fällen kann auch Burn-out oder eine Depression entstehen.

Bevor es aber zu einer Kündigung kommt, sollten Sie folgendes tun:
Warten Sie keine Sekunde länger – handeln Sie! Nehmen Sie Ihre körperlichen Symptome ernst. Analysieren Sie Ihre Situation sachlich und nüchtern – ein Coach kann Sie dabei professionell unterstützen. Überlegen Sie, was Ihnen helfen würde – als Sofortmaßnahme und längerfristig. Leitfrage sollte immer sein, was Ihnen selbst gut tut.
Richten Sie Ihren Blick auf Ihre Kollegin oder Chefin, unter der sie leiden. Nehmen Sie wahr, welche große Energie diese einsetzen muss, um ihre Position zu halten. Beobachten Sie, unter welchen Krankheiten sie leidet.
Sagen Sie sich immer wieder, dass es nichts mit Ihnen selbst zu tun hat, sondern dass Sie ein Mitglied im System sind. Nehmen Sie Ihre Situation an, sehen Sie ihr direkt ins Auge und beginnen Sie dann, an Ihrer eigenen Zukunft zu arbeiten.

Praktisch können Sie folgendes tun: Klären Sie offene Sachverhalte und legen über alles ein Protokoll an. Bleiben Sie immer sachlich bei Auseinandersetzungen, werden Sie nicht persönlich. In sehr schweren Fällen ist sicherlich anwaltliche Hilfe angebracht.

In einem sehr seltenen Fall konnte eine Mitarbeiterin in einem Unternehmen erfolgreich gegen die Vorgesetzte vorgehen: Sie hat mit Hilfe ihrer Kollegen das Gespräch mit der Geschäftsleitung gesucht – mit dem Ergebnis, dass die Vorgesetzte gehen musste. Ein großer Erfolg!

Zur Person:

Sigrid Frank arbeitete als Personalentwicklerin in internationalen Unternehmen der Branchen Chemie, Automotive, Maschinenanlagenbau und IT-Dienstleistungen, bevor sie sich als Karriereberaterin, Trainerin und Coach selbständig machte. Führungserfahrung konnte sie in zahlreichen Projekten und in einer Leitungsfunktion sammeln.

www.sigrid-frank.de/karriereberatung

Mein Thema: Netzwerken in digitalen Zeiten für Unternehmer und Unternehmen. Dazu halte ich Vorträge + berate Unternehmer und Unternehmen. Mehr bei www.uteblindert.de, Bilanz.de, im Buch: „Per Netzwerk zum Job“ (Campus 2015) / Kölsch Hätz / #DMW-Aficionada / Rollwenden-Bezwingerin.

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