Kolumne Stil

No business as usual! Ein Plädoyer für mehr Farbigkeit

Bild: Eva Wagner

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Wer zu viel Aufregung hat und dringend auf der Suche nach Langweile ist, dem empfehle ich den Blick in die Büros deutscher Unternehmen. Spaßbefreite Zone – hier bin ich! 

Das zumindest schreit der Business-Look dort anwesender Frauen: Hier das klassische Kostümchen, dort die weiße Schluppenbluse und in der Teeküche gerade ein informelles Meeting feinster Anzughosen in spannend abgestuften Grau-Blau-Tönen. Mit Bügelfalte, versteht sich. Natürlich gibt es auch die etwas mutigeren: die mit schmalem Pulli zum etwas kürzeren Rock, mit Stiefeletten statt Pumps. Oder Cardigan statt Blazer, oha. Aber zumeist reduziert sich modische Individualität auf die Farbe des Hèrmes-Tuchs oder das Modell der Cèline-Tasche. Bonjour, tristesse!

Ja, es ist eine Welt der grauen Mäuse, die uns in den Aufzügen, Fluren und Konferenzräumen der deutschen Wirtschaft begegnet. Aber was treibt uns Frauen dazu, Dezenz zum Maßstab für unsere Professionalität zu machen? Ist es die Angst aufzufallen? Als „Modepüppchen“ nicht ernstgenommen zu werden? Mit modischem Wagemut von der Sachebene abzulenken? Oder gar die Angst, als „zu weiblich“ zu gelten?

Kürzlich bei einem Vortrag: Eloquent und kundig spricht die Referentin über ihr Thema, Funken sprühen aus ihren Augen. Das Publikum hängt begeistert an ihren Lippen! Nur bei ihrer Kleidung – hellgrauer Pulli zu dunkelgrauer Hose zu schwarzen Pumps – hätte ich am liebsten zu Farbbömbchen gegriffen. Um ihrem geistreichen Auftritt auch optisch ein wenig mehr Esprit zu verleihen.

Eine Freundin erzählte mir vor ein paar Tagen, wie sehr sie auf Tagungen und Kongressen den Anblick italienischer und französischer Teilnehmerinnen genösse: Feminine Kleider, schwingende Röcke, weichfallende Hosen, auffällige Accessoires, hohe Haken. Mehr Mut zur Farbe! Ein Augenschmaus im sonst so tristen Business-Heer. Individuell, modisch, weiblich und professionell – geht also doch!

Susanne Ackstaller ist freie Texterin für Wirtschaft und Werbung – und Modekolumnistin für die WELT kompakt. Auf ihrem Blog texterella.de bloggt sie „For women. Not girls“ über Alltägliches und Besonderes aus Mode und Lifestyle.

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  1. Ich habe definitiv zuviel Aufregung und suche wirklich Langeweile! MIt einem Kita- und einem Schulkind und Vorweihnachtsstress! Da wären farblich ruhig angezogene Menschen im Büro für mich die Entspannung pur. Aber wirklich: privat ziehe ich auch keine Farben an, es ist dennoch möglich, elegant auszusehen. Die Französinnen scheinen es vorzumachen: viel Schwarz und sonstige Nichtfarben, zurückhaltend und trotzdem nicht fad.

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