Karriere & Entwicklung

Führung, na ja, vielleicht: So ticken Deutschlands Managerinnen

Managerinnen - Studie zu Best Agern. Bild: go2/photocase.de
Managerinnen – Studie zu Best Agern. Bild: go2/photocase.de

Alles auf Anfang? Im Arbeitsleben funktioniert vieles noch nach alten Mustern. Auch wenn sie bereits in leitenden Positionen angekommen sind, bleiben Frauen im Hintergrund, arbeiten kürzer und trauen sich auch weniger zu. Das geht aus der aktuellen Studie „Best Agers und ihr berufliches Umfeld“ der Hochschule Augsburg in Kooperation mit Boris Gloger Consulting  hervor, für die 389 Fach-und Führungskräfte im Mai 2015 befragt wurden.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Geschlechterspezifische Unterschiede. Quelle: HS Augsburg 2015
    Geschlechterspezifische Unterschiede. Quelle: HS Augsburg 2015

    Auch im Jahr 2015 scheint für Frauen ein Aufstieg unwahrscheinlicher zu sein und so sehen sie es auch: Nur 12,8 Prozent sind von einer Aufstiegschance in ihrem Unternehmen überzeugt. Bei den Männern dagegen glauben 25,8 Prozent an einen Aufstieg.

  • Frauen scheint ein Aufstieg nicht so wichtig: Denn bei der Frage nach den beruflichen Herausforderungen war bei den Männern das vorrangige Ziel der Aufstieg (47,2 Prozent). Frauen dagegen wünschen sich mehr Freiraum und Verantwortung (49,1 Prozent), mehr Projekte (32,5 Prozent) und Mentorenfunktion (42 Prozent).
  • Zusammenhang zwischen Geschlecht und Arbeitszeit. Quelle: HS Augsburg 2015
    Zusammenhang zwischen Geschlecht und Arbeitszeit. Quelle: HS Augsburg 2015

    Die Tendenz zu niedrigen Arbeitszeiten bei Frauen (23,1 Prozent arbeiten weniger als 39 Stunden pro Woche) zeichnet sich bereits in jungen Jahren ab. Nur 3,5 Prozent der jungen Befragten können sich vorstellen, über 50 Stunden in der Woche zu arbeiten und 15,4 Prozent wünschen sich eine Arbeitszeit unter 40 Stunden.

  • Die richtigen „Vielarbeiter“ sind eindeutig die Männer: 15,1 Prozent gaben an, mehr als 55 Stunden zu arbeiten. Unter den Frauen sagen das nur 10,3 Prozent.
  • Frauen achten signifikant mehr auf gesunde Ernährung als Männer (Mittelwert bei Frauen 4,6, bei Männern nur 4,0)
  • Die Hypothese, dass Frauen mehr auf Sport achten als Männer konnte hingegen nicht bestätigt werden. (Mittelwerte 4,0 bzw. 3,9)

Managementberater und Studienpate Boris Gloger kommentiert die Ergebnisse folgendermaßen:

„Die Studie belegt eindrücklich, dass die Arbeitswelt immer noch in alten geschlechtsspezifischen Klassen funktioniert. Nicht nur zeitgemäße Arbeitszeitmodelle sind hier gefragt, um dem entgegenzuwirken – es geht vor allem um ein neues Verständnis von Arbeit.“

 

Zusammenhang zwischen Leitungsebene und Geschlecht

In der letzten Zeit wird in der Öffentlichkeit immer wieder über die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen diskutiert. Die Studie zeigt den Wahrheitsgehalt dieser Aussage. Die Auswertung hat ergeben, dass der Anteil von Männern in der oberen Leitungsebene bei 62,6 Prozent liegt. Ähnliche Zahlen ergeben sich auch im Bereich der mittleren (61,8 Prozent) und der unteren Leitungsebene (62,6 Prozent). Lediglich in Positionen ohne Führungsverantwortung steigt der Frauenanteil auf 71,0 Prozent.

Frauen arbeiten kürzer

Möglicherweise liegt das daran, dass es immer noch weniger Frauen in höheren Leitungsebenen gibt als Männer. Diese hohen Leitungsebenen sind arbeitsintensiver und mit mehr Zeitaufwand verbunden als andere Positionen. Frauen sind in der Studie in unteren hierarchischen Ebenen verstärkt vertreten.

Zufriedenheit macht sich nicht am Geld fest

Zufrieden waren beide Geschlechter mit ihrem Job. Interessant, dass ein niedrigeres Einkommen für Frauen nicht zu Unzufriedenheit führt. Eventuell sind ihnen andere Faktoren wie nette Kollegen, mehr Freiraum oder höhere Entwicklungschancen im Arbeitsleben wichtiger. Möglicherweise haben sie sich auch einfach damit arrangiert, weil es sich auf kurze Sicht sowieso nicht ändern lässt.

Die will doch nur spielen?
Gewünschte berufliche Herausforderung. Quelle: HS Augsburg 2015
Gewünschte berufliche Herausforderung. Quelle: HS Augsburg 2015

Ja, das würde sie gern – und auch noch einmal mehr um die Ecke schauen! Lassen tut man sie trotzdem nicht, denn laut der Studie sind Frauen unzufriedener als ihre männlichen Kollegen mit den Faktoren „Berufliche Perspektiven“ und „Spielraum“. Die Verfasser der Studie führen das darauf zurück, dass Frauen von Seiten der Unternehmen immer noch weniger zugetraut wird und sie weniger Möglichkeiten

Realisierungschance der beruflichen Herausforderung. Quelle: HS Augsburg 2015
Realisierungschance der beruflichen Herausforderung. Quelle: HS Augsburg 2015

bekommen, sich auszuprobieren. Da bei den Teilnehmern der Studie wesentlich mehr Männer in Leitungsfunktionen waren, gehen die Verfasser davon aus, dass diese möglicherweise über mehr Spielraum in ihrem Joballtag verfügen.

Über die Studie:

Durchgeführt wurde die Studie „Best Agers und ihr berufliches Umfeld“ von der Hochschule Augsburg im Mai 2015. Dabei wurden 389 Fach- und Führungskräfte der Altersklasse 40+ befragt. 55,9 Prozent der Befragten waren Männer, 44,1 Prozent Frauen. Mit 50 Prozent der Befragten war die Dienstleistungsbranche besonders gut vertreten, es folgte die Branche Industrie (37 Prozent). 55,6 Prozent arbeiteten in einem Konzern, 36,9 Prozent in einem Familienunternehmen.

Boris Gloger, 46, ist Gründer und Geschäftsführer der Boris Gloger Consulting GmbH mit Sitz in Baden-Baden und Wien. Die Managementberatung ist auf das Management-Framework Scrum spezialisiert.

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