Geld & Gehalt Kolumne

Geld: Ist Frauen nicht so wichtig. Oder?

Frauen und Geld. Bild: cydonna/photocase.de

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Dieser Beitrag ist eine große Frage. Eine einzige große Frage. Und zwar nach dem Verhältnis von Frauen zu Geld. Eine Antwort könnt ihr von mir nicht erwarten. Aber vielleicht bekommen wir ein paar von euch?

Bild: cydonna/photocase.de


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Alles fing damit an, dass ich mich für das Portal Karriereletter.de mit den Erwartungen von IT-Absolventen an ihre zukünftigen Arbeitgeber auseinander setzte. Eine schöne Untersuchung mit immerhin 1.304 befragte Teilnehmern. Darunter auch Teilnehmerinnen, ihr Anteil lag mit 177 Personen bei 13,60 Prozent. Es war also möglich, zwischen den Präferenzen bei Männern und Frauen zu unterscheiden.

Kommen wir zur Frage, was einen Arbeitgeber für die Absolventen/Berufseinsteiger besonders attraktiv macht:

Was IT-Absolventen und Absolventinnen beim Einstieg wichtig ist. Quelle: Get-in-IT
Was IT-Absolventen und Absolventinnen beim Einstieg wichtig ist. Quelle: Get-in-IT

Für beide, Männer wie Frauen, stehen „Gute fachliche Entwicklungsmöglichkeiten“ an erster Stelle. Männern (64,89 Prozent) ist dies etwas wichtiger als Frauen (58,68 Prozent).

Spannend wird es meiner Meinung nach, wenn wir nun zu Platz 2 im Ranking kommen: Eine ansprechende Vergütung folgt bei Männern mit 63,39 Prozent ganz knapp hinter Platz 1. Für Frauen landet diese mit 49,70 Prozent auf Platz 4, hinter „Netten Kollegen“ (56,89 Prozent) und „Flexibilität bei der Arbeitszeit“ (55,09 Prozent) und nur knapp vor „Ein unbefristeter Arbeitsvertrag“ (48,50 Prozent).

Hallo? Wir reden hier von IT-Absolventinnen.

Das sind doch die Frauen, die von vielen Unternehmen händeringend gesucht werden. Warum ist diesen ein unbefristeter Arbeitsvertrag wichtiger als ein gutes Gehalt? Warum nette Kollegen als ein Extra-Bonus am Ende des Jahres?

Und das sind ja nur die am meisten umworbenen Fachkräfte der Republik.

Wie sieht es denn bei den anderen Frauen aus?

Wie sieht es bei euch aus?

Wie wichtig ist euch Geld?

Neulich saß ich mit einer Freundin zusammen. Ihr geht es momentan richtig gut: Sie führt es darauf zurück, dass sie gerade nicht arbeitet. Sie hat genügend Zeit für Sport, ihre Familie und auch noch andere Hobbys. Das Gehalt ihres Mannes reicht locker für alle – und bequemer ist es so auch. Sie kann schließlich da sein, wenn ein Kind früher von der Schule kommt oder Ferien anstehen. Sie bereitet das Nest und ist vollkommen zufrieden damit.

Eigenes Geld ist ihr nicht so wichtig, nur die Familie soll ein gutes Auskommen haben.

Mittlerweile habe ich nicht immer eine gute Antwort darauf: Ich könnte mir das nicht vorstellen, mein eigenes Geld und ein hohes angemessenes hohes Honorar sind mir sehr wichtig. Aber ich habe definitiv weniger Zeit für meine Familie und Zeit für Sport knapse ich mir am Wochenende und morgens ab.

Geld ist doch nicht „BÄHHH!“

Dabei wirkt sich diese „Geld ist nicht so wichtig“-Attitude folgendermaßen aus:

  • Frauen verdienen immer noch wesentlich weniger als Männer. Durch alle Berufe, in allen Regionen, auf allen Hierarchiestufen. Unbereinigt sind es über 30 Prozent (teilweise bis zu 37 Prozent), wie die Gehaltsstudie 2015 für Deutschland zeigt. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen oft in Branchen arbeiten, in denen weniger gezahlt wird, zum Beispiel in Kindertagesstätten etc., dass sie ihre Arbeit wegen der Kindererziehung unterbrechen und in Teilzeit wieder einsteigen (müssen). Möglicherweise fehlen ihnen dann auch Karrierestufen.
  • Es ist also wichtig, die Statistik bereinigt zu betrachten: Man geht davon aus, dass am Ende eine Entgeltlücke von fünf bis zehn Prozent bleibt, die sich nicht durch statistische Unterschiede erklären lässt. Anscheinend ist Frauen Geld nicht so wichtig, um es richtig gut zu verhandeln. 
  • Wenn Frauen Geld nicht so wichtig ist, entscheiden sie sich in einer Partnerschaft (Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaften) eher für die Kombination der Steuerklassen 3 und 5 statt 4/4. Dabei hat diese Wahl auch Konsequenzen auf die Berechnung von Arbeitslosengeld und Hartz IV. Wer also nach einer Scheidung auf Ersatzleistungen angewiesen ist, schaut hier eventuell doppelt in die Röhre. Dabei lohnt sich eine Entscheidungen für die Steuerklassen 3 und 5 bereits bei einer Einkommensverteilung von 60 zu 40 Prozent, wobei diese Aufteilung noch gar nichts über die am Ende gezahlte Jahressteuer aussagt. Für die eigenen Finanzen kann es also eventuell besser sein, wenn jeweils die Steuerklasse 4 anfällt. Oder es muss bei Vereinbarung der Steuerklassen verhandelt werden, wie das höhere Nettoeinkommen intern ausgeglichen wird. Passiert das? Kennt ihr Paare, bei denen das so verhandelt wird?
  • Aus diesem Gender-Pay-Gap wird übrigens irgendwann ein Gender-Pension-Gap: Jung und arm mag ja noch irgendwie sexy sein. Aber alt und arm? Irgendwie nicht. Der Gender-Pension-Gap liegt übrigens momentan bei knapp 60 Prozent. Auch hier wieder die Frage: Bei einer Scheidungsrate von rund 30 Prozent sollte doch das Risiko mit berechnet werden und in romantischer Zweisamkeit über Geld, Rentenansprüche und Besitztümer verhandelt werden. Hand aufs Herz: Wer von euch hat einen Ehe- oder Partnerschaftsvertrag?
  • Warum sind wir eigentlich nicht wütend? Warum kämpfen wir nicht für ein gerechteres Steuersystem, das Familien fair besteuert und keine Versorgerehen subventioniert? Weil uns Geld nicht so wichtig ist.
  • Warum erklären wir uns nicht mit den allein erziehenden Frauen (und Männern) solidarisch, die so hoch besteuert werden wie Singles, allerdings wertvolle Arbeit für unsere Gesellschaft leisten? Weil uns Geld nicht so wichtig ist.

Die Reihe ist noch lange nicht zuende, darüber findet ihr hier, hier und hier auch schon Beiträge.

Was uns aber interessiert: Wie seht ihr das?

  • Geld ist ja nicht alles, es zählen schließlich noch andere Faktoren.
  • Geld bzw. das Verhandeln über Geld zerstört die Romantik.
  • Geld ist mir sehr wichtig, ich setze mich da sehr ausführlich mit auseinander.

Weitere Beiträge und Buchtipps:

 

  1. Hallo Ute,

    was für ein wunderbarer Artikel! Ich kann die Frage schon von berufswegen ganz klar mit „Geld ist mir sehr wichtig, ich setze mich da sehr ausführlich mit auseinander“ und habe tatsächlich manchmal das Gefühl, damit auch den Aufkleber gefühlskalte Kapitalistin zu bekommen.

    Aber mit Geld kann ich doch so vieles positiv gestalten und meine Vision ist:

    Wir Frauen verändern die Finanzwelt mit Herz und Geld.

    Viele herzliche Grüße
    Christina

  2. Hallo Ute,

    ein wunderbarer Artikel!

    Geld ist wichtig – definitiv. Und zwar umso wichtiger, wenn es nicht da ist.
    Ich möchte von Geld nicht mein Leben bestimmen lassen und genau deswegen strenge ich mich an, viel davon zu verdienen. Habe ich nämlich viel Geld, ist das Leben sehr viel entspannter, als wenn ich ständig bangen und rechnen muss.

    Freiheiten, Zeit, Selbstbewusstsein, Sicherheit, Ausgeglichenheit, (den Nerv für) eine tolle Beziehung zum Partner, den Kindern Wünsche erfüllen zu können, Urlaub, tolle gemeinsame Zeiten – all das ist unglaublich wertvoll.
    Und all das wird durch Geld ermöglicht. Es ist ein Mittel zum Zweck.

    Ich habe mich gerade Nebenselbstständig gemacht und muss jedes Mal mit mir kämpfen, entsprechende Preise zu verlangen, weil ich es „gewohnt“ bin, wenig zu bekommen. Aber ich gehe stur gegen dieses Gefühl an – denn wenn ich bzw. meine Leistung es mir nicht wert ist, einen entsprechenden Gegenwert zu verlangen, wie kann ich dann von meinen Kunden verlangen, dass sie meine Leistung schätzen?

    Liebe Grüße, Alice

  3. Mir scheint es nicht prinzipiell unsinnig, dass manchen Frauen ein unbefristeter Arbeitsvertrag wichtiger ist als eine besonders hohe Bezahlung. Falls man Familienpläne hat, bedeutet ein befristeter Arbeitsvertrag ja unter Umständen, dass man nach Ablauf des Vertrages keine Verlängerung bekommt und dauerhaft „raus“ ist bzw. nach der Babypause nicht wieder richtig Fuß fassen kann. Bei einer Unbefristeteten Stelle ist dieses Risiko nun mal geringer.

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