Karriere & Entwicklung

Frauen machen MINT

Bild: Eva Wagner

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Die Zahlen sprechen für sich: Absolventinnen technischer und naturwissenschaftlicher Fachrichtungen werden von Unternehmen stark nachgefragt. So lag die Zahl arbeitsloser Ingenieurinnen beispielsweise bei 8,4 Prozent, während gleichzeitig 48.000 offene Stellen gemeldet waren. Mittlerweile ist in zahlreichen Unternehmen die Überzeugung herangewachsen, dass man das Potenzial von Frauen in MINT-Berufen viel zu lange unterschätzt hat.

Schließlich leuchtet es ja ein: Wenn 80 Prozent aller Kaufhandlungen von Frauen getroffen werden, dann sollte man es sich in klugen Unternehmen nicht nehmen lassen, gemischte Teams aus Männern und Frauen den nächsten Geländewagen, Laptop oder auch die Benutzerführung des Online-Webshops entwerfen zu lassen.
Leider ist es aber gar nicht so leicht, Ingenieurinnen, Chemikerinnen, Informatikerinnen oder Mathematikerinnen in ausreichender Zahl zu finden, schwanken doch hier die Frauenanteile in den Studienfächern zwischen vier (Elektrotechnik) und 15 Prozent (Maschinenbau).

Dabei sind es gerade die Frauen eher zugeschriebenen Soft Skills wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, die diese besonders wertvoll für global tätige und nach modernen Management-Methoden arbeitenden Unternehmen machen. Konzerne gehören dazu, sicher aber auch zahlreiche mittelständische Firmen. Mädchen sollen daher frühzeitig die so genannten MINT-Studienfächer näher gebracht werden, zum Beispiel mit der Initiative „Komm mach MINT – Nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen“ oder mit witzigen Videos und Blog auf der Website „THINK-ING„, die generell Lust auf ein Ingenieursstudium machen soll.

Spannende Aufgaben

Wenn sich Frauen allerdings für ein technisches Studienfach entscheiden und dabeibleiben, haben sie gute Chancen auf interessante und anspruchsvolle Aufgaben. So wie das Beispiel von Herveline Robidou zeigt, die für GEA Batignolles Technologies Thermiques (GEA BTT) die Abteilung Forschung und Entwicklung leitet. Die promovierte Ingenieurin für Energietechnik baute die Forschungsabteilung mit auf, als sie im Oktober 2007 zu GEA BTT kam. Vorher hatte sie bereits einige Jahre bei dem Automobilzulieferer Valeo gearbeitet und sich mit der Entwicklung von Wärmetauschern in PKW-Klimaanlagen beschäftigt.

In Frankreich ist manches leichter

Wie bei vielen Französinnen selbstverständlich, bleibt sie auch berufstätig, als 2003 und 2007 ihre beiden Söhne geboren werden. „In den ersten Monaten bin ich gern zu Hause bei meinen Kindern geblieben. Aber mir war es sehr wichtig, dass ich schnell wieder zurück zur Arbeit kam“, betont Herveline Robidou. Besonders herausfordernd, da auch ihr Mann in einem anspruchsvollen Job als Berater arbeitet. Trotzdem finde sich immer eine Lösung, erklärt die 36-Jährige. „Hier in Frankreich gibt es natürlich ein sehr gut ausgebautes Angebot an öffentlichen Kinderbetreuungsangeboten. Unsere beiden Söhne gehen in die Schule, die hier bereits mit drei Jahren beginnt. Daneben hilft uns eine Kinderfrau, die die Randzeiten abdeckt“, sagt Herveline Robidou.

Der Wärmetauscher-Spezialistin bedeutet es sehr viel, sich in ihrer freien Zeit intensiv um ihre Kinder zu kümmern. Hier sieht die Französin, die für ihre Promotion rund drei Jahre in Berlin forschte, übrigens auch einen wichtigen Unterschied zum Nachbarland: Arbeitenden Frauen werde in Deutschland oft ein schlechtes Gewissen eingeredet.

Herveline Robidou begeistert sich für ihre Arbeit in der Forschungsabteilung und begibt sich gern auf die Suche nach neuen Konzepten. Mit Erfolg: Mit ihrem Team in Nantes entwickelte sie zum Beispiel „Groovy Cooling“, ein neues Konzept zur Steigerung der Effizienz von Luftkühlern, mit dem sie 2009 den GEA Innovation Award gewann. Gleich im nächsten Jahr konnte sie sich den nächsten Preis mit einer weiteren Verbesserung bei Luftkühlern sichern. Neben der Forschungsarbeit steht sie oft mit Kunden in Kontakt und sucht den intensiven Austausch mit Hochschulen. Die Französin ist ein Energiebündel: Neben Arbeit und Familie steht für sie Badminton auf dem Programm, „denn soziale Kontakte und Bewegung sind als Ausgleich sehr wichtig.“

Kleine Unterschiede

Eine, die sich mit Ingenieurinnen bestens auskennt, ist Susanne Ihsen, Fachgebietsleiterin und Professorin für Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften. Sie setzt sich bereits seit Jahren mit Frauen in Ingenieurberufen auseinander. Sie rät Frauen grundsätzlich, besser zu verhandeln: „Ein Mann kann eher mal pokern und einen Jobwechsel riskieren. Das sieht bei einer Frau Anfang 30 ganz anders aus. Einen neuen, adäquaten, Job zu finden, wenn mein (männliches) Gegenüber schon die “biologische Uhr” ticken hört, ist deshalb nicht einfach.“ Allerdings werde in vielen Unternehmen mittlerweile ganz anders auf die Bewerbungen von Ingenieurinnen geachtet. Das schafft für Frauen natürlich ganz andere Karrieremöglichkeiten.

Auch früher hat es schon immer Forscherinnen gegeben, die mit ihren Ideen die Wissenschaft vorangebracht haben. Eine davon war die Mathematikerin Ada Lovelace, die als Pionierin der Informationstechnologie gilt. Nach ihr wurde der Ada-Lovelace-Day benannt, der seit 2009 jedes Jahr am 24. März begangen wird und die Möglichkeiten des Web 2.0 nutzt, um auf Frauen in Wissenschaft und Technik aufmerksam zu machen.

Mentoring-Programme für junge Forscherinnen

Ambitionierte junge Forscherinnen von heute finden eine Reihe von Mentoring-Programmen, die sie während des Studiums und auch danach begleiten. Ein wichtiger Aspekt des Mentoring beinhaltet eine weitere wichtige Forderung von Susanne Ihsen: Netzwerken. „Dazu gehört zum Beispiel ein Netzwerk auf allen Hierarchieebenen im Unternehmen. Zusätzlich sollten Sie noch über ein externes Netzwerk an Kolleginnen verfügen. Wenn ich dann zum Beispiel als Ingenieurin ins Ausland geschickt werde, kann ich schnell auf erfahrene Kolleginnen zurückgreifen, und mich über die Tücken im Detail informieren. Ich muss ja nicht jeden Fehler wiederholen, den andere schon gemacht haben.“

Ein interessantes Netzwerk für Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen findet sich an der Technischen Universität Berlin: das Hochschulkarrierezentrum femtec. Die femtec bietet ambitionierten Studentinnen Workshops, Qualifizierung und Begleitung sowie Forschung und Beratung. Dafür arbeiten die Organisatorinnen mit zahlreichen Partnerhochschulen und -unternehmen zusammen. Auf Seiten der Hochschulen gehören Institutionen wie die ETH Zürich, die RWTH Aachen, die TH Darmstadt, die TU Dresden, die TU Berlin sowie das Karlsruher Institut für Technologie dazu. Unterstützung von Unternehmen erhalten die femtec-Teilnehmerinnen von Daimler, Porsche, BP, Bosch, E.ON, The Boston Consulting Group, ThyssenKrupp, EADS und Siemens.

Frühe Vorliebe

Viele Frauen, die sich letztendlich für eines der MINT-Fächer entscheiden, entdecken schon früh ihre Neigung dazu. Auch für Sarah Frei, Mitglied der Geschäftsleitung von Amgen Schweiz, stand frühzeitig fest, dass sie Pharmazie studieren wollte. Bereits als Kind fand sie Medikamente faszinierend: Wie kann eine kleine Tablette bloß so große Wirkung im Körper entfalten? Mittlerweile leitet sie den Bereich Zulassung und Compliance des Biotechkonzerns Amgen in der Schweiz. „Wenn Amgen also ein neues Medikament entwickelt, prüfe ich mit meinem Team, ob die dazu vorliegenden Studien und Daten den Schweizer Bestimmungen genügen und kümmere mich um den gesamten Zulassungsprozess.”

Für ihren Arbeitgeber eine sehr wichtige Aufgabe – denn ohne die Genehmigung der Behörden darf ein Pharmakonzern seine Produkte nicht vermarkten. Dafür tauche sie in die wissenschaftlichen Daten ein, benötige aber für die Koordination der langwierigen Zulassungsprozesse auch viel strategischen Weitblick, wie die 36-Jährige erzählt: “Diese Vielseitigkeit und das internationale Arbeitsumfeld machen für mich den Reiz meines Berufs aus.”

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