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Frauen gründen anders: Flexibilität schlägt Geld

Bild: Armin Staudt, Berlin/photocase.de

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Auch wenn in Deutschland aktuell nur jedes dritte Unternehmen von einer Frau gegründet wird: Weibliche Entrepreneure sind auf dem Vormarsch! Soweit die gute Nachricht. Die Schlechte: Uns bleibt nichts anderes übrig!

Bild: Armin Staudt, Berlin/photocase.de

Denn, wie eine aktuelle KfW-Dokumentation zeigt, gründen viele Frauen einfach aus der Not heraus. Insbesondere Mütter haben die Selbstständigkeit als adäquates Mittel für sich entdeckt, um nach der Elternzeit überhaupt wieder in die Erwerbstätigkeit zurückkehren zu können. Das Ganze nennt sich dann „Nebenerwerbsgründung“, denn so ganz „nebenbei“ kümmern wir uns natürlich trotzdem noch weiter um Haushalt und Kinder.

Jetzt aber bitte nicht in Selbstmitleid zerfließen! Man kann’s nämlich auch so sehen: Wir machen einfach aus der Not eine Tugend; aus Zitrone Limonade! Und wenn der Mangel an flexiblen Arbeitszeitmodellen dazu führt, dass sich immer mehr Frauen in die Selbstständigkeit wagen, so hat das doch auch sein Gutes, oder?

Der Erfolg spricht für uns

Nur, weil die Mehrheit der Männer sich aus freien Stücken für die Selbstständigkeit entscheidet, zum Beispiel, um eine innovative Geschäftsidee zu verwirklichen, und ein Großteil der Frauen diesen Weg aus Mangel an Alternativen wählt: Das Ergebnis bleibt unterm Strich das Gleiche. Denn: Tolle Geschäftsideen haben wir natürlich trotzdem und setzten diese genauso gut und erfolgreich in die Tat um, wie unsere männlichen Kollegen das tun. So arbeiten Gründerinnen, laut KfW Studie, zwar tendenziell etwas weniger und machen in der Regel auch weniger Umsatz, aber gemessen an der Wahrscheinlichkeit, dass unser Unternehmen langfristig Bestand hat, stehen wir den männlichen Gründern in nichts nach. Ganz im Gegenteil: Von Frauen geführte Unternehmen sind oftmals sogar erfolgreicher!

Geld ist nicht alles

Eine selbständige Tätigkeit hat für uns Frauen noch einen weiteren, ganze entscheidenden Vorteil: die Flexibilität. Denn diese erlaubt es uns, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bekommen, als es vielleicht in einem starren Angestelltenverhältnis der Fall wäre. Laut einer Befragung im Auftrag der Hypovereinsbank, ist die Vereinbarkeit von Kind und Karriere für viele Frauen ein ganz entscheidender Faktor!

41 Prozent der Gründerinnen geben an, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtiger Indikator für beruflichen Erfolg gesehen wird. Ebenso wie die Möglichkeit eigene Talente und Fähigkeiten zu entwickeln. Wirtschaftliche Faktoren scheinen hingegen eine eher untergeordnete Rolle zu spielen, was sich auch im Unternehmenswachstum zeigt. Von Frauen gegründete Firmen wachsen in der Regel langsamer und beschäftigen weniger Mitarbeiter. Im Vergleich: Der monatliche Umsatz von Männern, die sich im Vollerwerb selbstständig gemacht haben, lag im Jahr 2013 durchschnittlich bei knapp 18.000 EUR. Bei Frauen waren es gerade einmal 4.600 EUR.

Ein möglicher Grund dafür könnte auch sein, dass Gründerinnen es vorziehen lieber moderat zu wachsen. Laut KfW weisen verschiedene Studien daraufhin, dass es vielen Unternehmerinnen außerdem wichtiger ist, dass ihre Kunden zufrieden sind, sie über eine gute Reputation verfügen und ihre Produkte bzw. Dienstleistungen qualitativ hochwertige sind.

Apropos Dienstleistungen…

Ein weiterer eklatanter Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Gründern zeigt sich auch in der Wahl der Branche. Denn Frauen – und das ist jetzt keine all zu große Überraschung – sind überdurchschnittlich oft (laut KfW-Studie 44 Prozent) im Bereich der „persönlichen Dienstleistungen“ anzutreffen. Das heißt, wir gründen zum Beispiel einen mobilen Pflegedienst, eröffnen eine Physiotherapie-Praxis, einen Friseursalon oder üben eine freiberufliche Lehrtätigkeit aus.

26 Prozent der Gründerinnen entscheiden sich, wie der Großteil ihrer männlichen Kollegen, für den Sektor der „wirtschaftlichen Dienstleistungen“. Sie sind also beispielsweise als Anwältin, Steuerberaterin oder Immobilienmaklerin tätig. Im Bereich der Internet-Start-ups liegt der Anteil an Gründerinnen gerade einmal bei zehn Prozent, wie der deutsche Start-up Monitor berichtet. Grund genug, für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Kampagne zu starten, die speziell jungen Gründerinnen Mut machen soll. Im Rahmen dieser Aktion berichten zehn erfolgreiche Unternehmerinnen aus der Digitalen Wirtschaft in Videointerviews von den Vor- und Nachteilen ihres Jobs. Mit dabei sind unter anderem Sarah Petzold von der Tollabox, Franziska von Hardenberg von Bloomydays oder auch Kathrin Weiß von Tausendkind.

Role Models wanted

Das ist vielleicht auch der aktuell wichtigste Unterschied zwischen männlichen und weiblichen potenziellen Gründern: Uns Frauen fehlen die Vorbilder! Klar, gibt es viele, tolle inspirierende Unternehmerinnen, die sich hervorragend zum Rolemodel eignen. In den Medien werden trotzdem immer noch vornehmlich die männlichen Kollegen zurate gezogen, porträtiert und teilweise zu echten Idolen hochstilisiert (siehe Steve Jobs & Co). Wir bräuchten dringend noch mehr Kampagnen, die junge, erfolgreiche Gründerinnen zeigen. Und dabei sollte es weniger um harte Fakten gehen, als vielmehr um Spaß und Leidenschaft! Wer sich beispielsweise die Kampagneninterviews vom Wirtschaftsministerium anschaut, merkt schnell: Diese Frauen lieben, was sie tun, auch wenn längst nicht immer alles eitler Sonnenschein ist. Die Leidenschaft für ihre Idee ist es, die sie antreibt und letztlich aus einem kleinen Start-up ein erfolgreiches Unternehmen wachsen lässt. Und wer solche Vorbilder immer präsent hat, findet eines Tages vielleicht auch selbst den Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Quellen:
HVB Gründerinnenstudie 2014
KfW Studie „Gründerinnen holen auf“
Videointerviews  zur Kampagne des Bundeswirtschaftsministeriums

Linktipps:

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  1. Toller Artikel. Da kann man mal sehen, wie groß der Unterschied am Ende tatsächlich sein kann. Jeder handelt eben auf seine ganz spezielle Art und Weise.

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