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Frauen & Geld: Selbst schuld oder was?

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Der Equal Pay Day macht es deutlich, die Politik greift es auf und auch der Spiegel stellt es eindeutig fest: Frauen verdienen wesentlich weniger als Männer. Mancher Unterschied lässt sich erklären mit Teilzeit, Laufbahnunterbrechungen und  Branchenzugehörigkeit. Doch selbst fünf bis zehn Prozent Unterschied machen ein Zehntel bis zu ein Zwanzigstel weniger Geld, die jede Frau nach Hause bringt.

Die wichtige Frage nun ist: Hausgemacht oder systembedingt? Hier mal ein paar Punkte dazu:

Hausgemacht:

Frauen nehmen Geld nicht ernst genug. Es ist ihnen oft nicht so wichtig. Dazu ein paar ganz persönliche Beobachtungen: Ich selbst bin einem Arbeitgeber sehr lange loyal verbunden geblieben, obwohl er sehr schlecht bezahlte. Die Arbeit machte so viel Spaß. Das Team war so nett. Als ich dann das Unternehmen wechselte, stellte ich fest, dass ich woanders wesentlich mehr verdienen konnte. Und die Unternehmen, die mir am unattraktivsten erschienen, wollten mir am meisten bezahlen;-)

Wenn ich mit Dienstleisterinnen zusammenarbeite, stellen diese ihre Rechnungen viel später als meine männlichen Auftragnehmer. Dabei kann jede Rechnung erst dann bezahlt werden, wenn sie vorliegt. Und Zeit ist bekanntlich auch Geld.

Systembedingt:

Typische Frauenberufe wie Kranken- und Altenpflege, Erziehung, Sozialarbeit werden wesentlich schlechter bezahlt als typische Männerberufe wie Industriemechaniker, Techniker, Konstrukteur etc. Die besseren Tarife für Männer wurden damit begründet, dass diese Jobs hart und körperlich anstrengend seien und oft Schichtarbeit anfalle. Argumente, die auch als Begründung für ein höheres Tarifgehalt in der Alten- und Krankenpflege herhalten sollten.

Da haben die Gewerkschaften eindeutig nicht genug getan. Vielleicht, weil sie ähnlich männlich dominiert sind wie der Rest der deutschen Wirtschaft?

Hausgemacht:

Frauen studieren wesentlich häufiger Studienfächer, bei denen die Jobeingangschancen schlechter sind als bei der Wahl ihrer männlichen Kommilitonen. Dazu gehören Geschichte, Germanistik, Kommunikationswissenschaft, eben die ganzen Geistes- und auch die Sozialwissenschaften im Gegensatz zu Ingenieurwesen, Informatik, Naturwissenschaften wie Chemie, Biochemie etc.

Das heißt noch lange nicht, dass man ein Fach studieren sollte, das einem gar nicht liegt.Ja, man ist eher in den Fächern erfolgreich, die einem auch wirklich liegen. Aber etwas Realismus schadet dann doch nicht: Wenn ich weiß, dass Germanistik nicht gerade zum Wunschprofil vieler Unternehmen gehört, muss ich mir rechtzeitig überlegen, welche Zusatzqualifikationen gut passen könnten und welche Jobs wirklich für mich in Frage kommen.

Da die Chancen zum Einstieg geringer sind, muss ich länger suchen und habe nicht so viel Auswahl. Das macht das ganze zu einem Arbeitgebermarkt, der so wenig oder gar kein Gehalt zu zahlen braucht. Die Werbe- oder Medienbranche ist ein gutes Beispiel dafür.

Bei den Jungs habe ich den Eindruck, dass diese sich früher überlegen, wie sie mit einem geisteswissenschaftlichen Studium ihre Familie ernähren können und dann die entsprechenden Schlüsse ziehen. Meine ehemaligen Kommilitonen sitzen heute auf gut besoldeten Posten in Ministerien und Stiftungen, während meine Kommilitoninnen sich oftmals mit Lehraufträgen über Wasser halten.

Systembedingt:

Das Steuerrecht in Deutschland mit dem Ehegattensplitting belohnt die Versorgerehe, bei der ein Teil wesentlich mehr verdient als der andere. Traditionell entscheiden sich Paare für die günstige Steuerklasse für den Mann und die extrem schlechter gestellte Steuerklasse für die Frau. In der traditionell ausgerichteten Familie war das eventuell noch sinnvoll. Heute – mit einer hohen Scheidungsrate und der neuen Unterhaltsregelung – treibt dieses Steuersystem Alleinerziehende (meist Frauen) in die Armut.

Hausgemacht:

Helfen könnte hier ein Ehevertrag, der den Unterhalt für den Partner regelt, der wegen der Kinder zurücksteckt. Helfen könnte eine private Rentenversicherung zur besseren Absicherung des erziehenden Elternteils. Das muss von den Paaren selbst geregelt werden – und hier muss jede Frau für sich verhandeln. Nicht besonders romantisch, deshalb machen es so wenige.

Systembedingt:

Das Steuerrecht für Alleinerziehende ist ein Witz! Es ermutigt diese nicht unbedingt dazu, arbeiten zu gehen und belohnt ihre doppelten Anstrengungen mit Job und Kindererziehung praktisch nicht. Auch wer sich selbständig macht, um Job und Kinder besser unter einen Hut zu bekommen, muss als Belastung hohe Abgaben an die Krankenkasse in Kauf nehmen, die nicht einkommensabhängig berechnet werden. So werden ab einem Gewinn von über 400 Euro im Monat direkt 367 Euro Kranken- und Pflegeversicherung fällig.

Was meint ihr? Welche anderen Punkte fallen euch noch ein?

Ute Blindert ist chronisch neugierig und liebt die Themen Karriere, Arbeitsmarkt und digitaler Wandel. Darüber spricht sie gern mit und vor Menschen. Wenn sie sportlich gut drauf ist, schwimmt sie an die 10 km in der Woche. Was ihr noch fehlt zum Glück: eine perfekte Rollwende.

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