Heldinnen Köpfe

Felicity Aston: Zweimal Südpol und zurück

Bild: Kaspersky Lab

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Felicity Aston zog es schon immer in ferne, einsame Gegenden. Auf Landkarten machen sie die Randzonen neugierig. In eine dieser Randzonen, den Südpol, wagte die Britin sich jetzt. Allein. Für 70 Tage im ewigen Eis. Als erste Frau.

Felicity Aston weint. Die Tränen strömen ihre Wangen entlang, sie schluchzt, zieht die Nase hoch, streicht mit der Hand über ihr Gesicht, schluchzt wieder. Gleichzeitig lacht sie. Sie versucht zu erklären, wie es ihr nach ihrer 1744 km langen Reise quer über die Antarktis geht. Nur von einem kurzen Besuch auf der Polarstation am Südpol abgesehen, war sie die ganze Zeit allein. Am 25. November 2011 ist sie vom Ross-Schelfeis aufgebrochen, um am 23. Januar 2012 am Ronne-Schelfeis anzukommen. 59 Tage bewegte sie sich auf Skiern, immer den Schlitten mit allem Lebensnotwendigen hinter sich in Schlepptau. „Ich war so überwältigt von meinen Gefühlen. Ich hatte es geschafft, und gleichzeitig wusste ich, dass ich wahrscheinlich nie wieder eine solche Reise machen würde. Das alles machte mich gleichzeitig glücklich und unendlich traurig“, erklärt sie den Gefühlsausbruch.

Eine Reise in eine so lebensfeindliche Umwelt wie die Antarktis bedeute immer, eigene Grenzen zu testen, sagt die 34-jährige Britin. „Du kommst an deine mentalen und körperlichen Grenzen.“ Die Tage haben eine immer gleiche Routine: Aufwachen um sieben Uhr, frühstücken, packen, das Zelt abbauen, um neun Uhr auf die Skier. 90 Minuten fahren, Pause, 90 Minuten, Pause, 90 Minuten, Pause, immer so weiter, bis nach zehn Stunden das Tagespensum erfüllt ist. Knapp 30 Kilometer schafft man so im Durchschnitt am Tag. Dann heißt es Zelt aufbauen, kochen, essen. Und Körperpflege. Hände und Füße müssen jeden Abend sorgfältig inspiziert werden: Wunden und Erfrierungen können sich schnell zu gefährlichen Verletzungen entwickeln. Um 22.30 Uhr schlafengehen. Da es in der Antarktis zu dieser Jahreszeit 24 Stunden am Tag hell ist, schläft Felicity Aston mit einer Mütze auf dem Kopf. Sie gönnt sich acht Stunden Schlaf, danach beginnt die gleiche Routine wie am Tag davor. Und dem Tag davor. 59 Tage lang.

Psyche als entscheidender Faktor

Irgendwann tut alles weh. Schultern und Nacken sind vom Schlittenziehen verspannt. Die Ellbogen schmerzen von der immer gleichen Bewegung der Arme. Ebenso die Finger- und Fußgelenke. Bis heute ist das Gefühl im linken Fuß und in der linken Hand noch nicht wieder voll zurückgekehrt. „Das wird schon wieder“, ist sie überzeugt.
Um sich vor der Extremreise körperlich fit zu machen, zieht Felicity am Strand ihrer Heimatstadt Birchington einen Reifen im Sand hinter sich her: „Beim Training gehe ich bis zu dem Turm dahinten und dann wieder zurück.“ Denn nicht die Kraft entscheidet, sondern die Ausdauer. Felicity ist daher überzeugt, dass es bei ihren Expeditionen keinen Unterschied mache, ob Frauen oder Männer diese unternähmen. „Ich habe immer in sehr männlich dominierten Umgebungen gearbeitet, so dass die Tatsache, dass ich eine Frau bin, für mich nie eine Rolle spielte.“ Und neben der Ausdauer sei bei einer Polarexpedition die Psyche der entscheidende Faktor.

Die Tage allein im Eis bringen die Meteorologin an ihre Grenzen: „Das Gute an der menschlichen Psyche ist ja, dass sie die schlechten Zeiten ziemlich schnell ausblendet“, erzählt die Britin lachend. „Ich hatte so schlechte Tage in der Antarktis. Trotzdem kann ich mich heute kaum noch erinnern, wie verzweifelt ich an manchen Tagen war.“ Dann hilft auch mal ein bisschen Heulen. Oder Wut. Oder eine Extratasse Kaffee. „Die schlechten Tage waren aber immer auch meine guten Tage. Denn wenn ich es dann wieder geschafft habe, weiterzugehen, hatte ich wieder so viel über mich gelernt.“ Und dann gibt es ja noch die schönen Seiten: „Meistens sind das ganz kleine Dinge: Wenn die Sonne durch die Wolken bricht und das Eis zu glitzern beginnt. Die Eisspitzen. Die dramatische Landschaft.“

Die Antarktis – mal ganz praktisch gesehen

  Kalorienbedarf pro Tag: 5.000 kcal
  Gewichtsverlust in knapp zwei Monaten: an die 10 kg
  Essen: Frische Produkte entfallen, Fertignahrung wie Thai Green Curry oder Chicken Dhansak
  Fitness: Entdecken völlig neuer Muskeln
  Kleidung: Funktionskleidung; Wäsche entfällt, Kleiderwechsel finden nicht statt
  Duschen: nicht möglich; warme Duschen fühlen sich nach der Reise wie unglaublicher Luxus an
  Hygiene: schnell, wenn möglich im Schutz des Zeltes. Papier und Abfälle dürfen auf keinen Fall zurückgelassen werden.

Führen des Commonwealth-Teams

Bei dieser Reise ist Ashton auf sich allein gestellt. Die Einsamkeit macht ihr zu schaffen. Und natürlich die Gefahren, die sie allein bestehen muss. Raubtiere gibt es in der Antarktis zwar nicht, aber gefährliche Gletscherspalten, die von außen oft nicht zu sehen sind. Zwei Jahre vorher lag die Herausforderung in der Gruppe.

Im Rahmen des Jubiläums des Commonwealth, einem Staatenverbund vornehmlich mit ehemaligen britischen Kolonien, suchte Ashton nach ganz normalen Frauen, die Lust auf eine Reise zum Südpol hätten: Auf zur Kaspersky Lab Commonwealth Expedition. Expeditionserfahrung war keine Voraussetzung. Acht Frauen wurden schließlich ausgewählt, darunter Berufstätige, eine Studentin, eine Mutter, sie kamen aus Brunei, Jamaika, Ghana, Singapur, Australien, Indien, Neuseeland, Zypern. „Die Mehrheit der Frauen darf keine eigenen Entscheidungen treffen, oft fehlt es ihnen an Selbstvertrauen. Ich wollte ihnen Vorbilder geben, an denen sich jede Frau orientieren kann“, so Ashton. „Sonst denken wir oft: Ich kann keine Artistin werden, weil ich nicht aus einer Zirkusfamilie komme. Oder ich kann nicht zum Südpol laufen, weil Frauen das in meinem Land nicht machen.“ Ashton hat das anders gelernt. Ihre Eltern hatten sie bereits als Kleinkind mit auf Bergtouren genommen. „Ich wurde immer ermutigt, die Dinge zu tun, die ich machen wollte.“

Keine Angst vor Eisbären
Commonwealth Tour
Commonwealth Tour

Mit dem Frauenteam habe die 900 Kilometer lange Reise auf Skiern Ashton auf ganz neue Art herausgefordert. „Ich musste die Verantwortung für mein Team übernehmen und alle Teilnehmerinnen motivieren. Vor allem bei Teilnehmerinnen mit so unterschiedlichen kulturellen Hintergründen war das nicht leicht.“
Briten seien eher gerade heraus und sprächen Probleme offen an. Andere Kulturen seien da zurückhaltender. Herauszufinden, was jede einzelne zum Team beitragen könne, und sie entsprechend einzubinden und wertzuschätzen, sei eine sehr wichtige Erfahrung gewesen. Diese Erfahrung gibt Felicity Ashton heute gern in Seminaren und Vorträgen weiter. Ein Lektion handelt von der Begegnung mit einem Eisbären: „Ihr müsst euch ganz groß machen und schreien. Ganz laut schreien. Er darf nicht merken, dass ihr Angst habt.“

Zur Person
Felicity Aston. Bild: Kaspersky Lab
Felicity Aston. Bild: Kaspersky Lab

Die Britin Felicity Aston arbeitete bereits nach Abschluss ihres Studiums als Meteorologin in der Antarktis. Seitdem hat es sie immer wieder in die Arktis, nach Grönland und die Antarktis gezogen, oft als Expeditionsleiterin für reine Frauenteams. 2004 entschloss sie sich, ihre Passion zum Beruf zu machen. Sie schreibt, hält Vorträge und Seminare. Ashton lebt in der britischen Stadt Birchington. Über ihre Reise mit den acht Frauen aus dem Commonwealth hat sie ein Buch geschrieben: Call of the White – Taking the world to the South Pole.

www.felicityaston.co.uk/

Mein Thema: Netzwerken in digitalen Zeiten für Unternehmer und Unternehmen. Dazu halte ich Vorträge + berate Unternehmer und Unternehmen. Mehr bei www.uteblindert.de, Bilanz.de, im Buch: „Per Netzwerk zum Job“ (Campus 2015) / Kölsch Hätz / #DMW-Aficionada / Rollwenden-Bezwingerin.

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