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Eva Ziegahn: Benzin im Blut

Eva Ziegahn
Eva Ziegahn

Nach Motorsport-vernarrten jungen Frauen muss nicht lange fahnden, wer die Formula Student Germany besucht. In fast jedem Team schreiben Ladys Business-Pläne, konstruieren und optimieren Motoren. Und sie fahren Rennen. Eva-Verena Ziegahn ist eine von ihnen.

Hockenheim 2010: Als ich Eva Ziegahn das erste Mal begegne, steckt sie im schwarzen Rennanzug, das Oberteil lässig um die Taille geknotet. Sie bereitet sich auf den Skid-Pad vor: So schnell wie möglich soll der Rennwagen ihres Teams hier Achter-Runden fahren. Rundherum schrauben und schweißen die Teams an der Karosserie, am Rahmen, alle sind gleichzeitig übermüdet und gespannt. Sie warten auf die Ergebnisse der technischen Abnahme und der Business-Plan-Präsentation. Und auf den Ausgang des Rennens.

Wettbewerbs-Atmosphäre ist für Eva Ziegahn nichts Neues. Bereits mit sieben Jahren begann sie, Kart-Slalom zu fahren. Als Älteste wurde sie von ihrem Vater zu Rennen mitgenommen und steckte schließlich ihre beiden Brüdern an. Auch während eines Jahrs an der Highschool in Washington bleibt sie ihren Vorlieben treu: Bei den Wahlfächern belegt sie Physik und Ingenieurwissenschaften. Wieder zurück in Deutschland arbeitet sie noch als Schülerin im Fraunhofer-Institut.

Äußerer und innerer Druck

Als Überfliegerin geht sie dennoch nicht durch. Sie studiert zwar Maschinenbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), aber leicht fällt ihr das nicht – oder besser gesagt: Die Studieninhalte fliegen ihr nicht zu. „Durch die Hand in den Verstand“, hält sie sich vor. Und wiederholt und schreibt eben alles so oft, bis es sitzt.
Im Hauptstudium folgt sie ihrer Leidenschaft für Motoren und konzentriert sich auf Fahrzeugtechnik. Doch obwohl Eva-Verena Ziegahn in der Praxis so erfahren ist, verspürt sie oftmals „inneren Druck“, gerade im Umgang mit ihren Kommilitonen. In ihrem Jahrgang in der Fahrzeugtechnik findet sich lediglich eine Hand voll Frauen, im kompletten Studiengang sind es insgesamt 8,8 Prozent. „Als Frau hat man öfters das Gefühl, den Jungs erst einmal etwas beweisen zu müssen“, sagt Ziegahn. Dabei spiele sich vieles auch im Unterbewusstsein ab. In den technischen Studiengängen fehlen eben oft Vorbilder. Fragen nach einer Frauenquote sieht sie eher kritisch, gemischte Gruppen hält sie aber für wichtig: „Vielleicht würde ja eine Gleichstellungsquote helfen.“

Durchsetzen in der Konstruktion

Im Jahr 2008 gesellt sich Eva Ziegahn zum Formula Student-Team KA-RaceIng des KIT. Hier sind die Frauen zu dritt. Doch während die beiden angehenden Wirtschaftsingenieurinnen im Marketing arbeiten, ist Ziegahn in der Konstruktion wieder einmal die einzige Frau. „Dabei hatte ich schon manchmal das Gefühl, dass meine Vorschläge intensiver diskutiert und kritischer betrachtet werden“, sagt sie. Aber das hat positive Folgen für die Karriere: „Heute kann ich mich gut durchsetzen.“

Von September 2009 bis Februar 2010 macht Eva Ziegahn ein Praktikum bei Porsche Engineering, später arbeitet sie auch als Werkstudentin für das Unternehmen. Im Sommersemester schreibt sie zudem eine Studienarbeit zum Thema „Fahrkomfort bei Hybrid-Fahrzeugen“ am Institut für Produktentstehung IPEK am KIT.Fortan bleibt sie als Werkstudentin bei dem Unternehmen. Neben Studium, Job und Formula Student-Team engagiert sich Eva Ziegahn für das Rennsporttechnik-Team Georg Plasa – abermals in der Konstruktion. Mittlerweile hat sich die 25-Jährige zudem eine Position als Technischer Kommissar des Deutschen Motorsportbundes erarbeitet und nimmt beim Porsche Sports Cup zusammen mit zwei weiteren Kollegen Fahrzeuge ab. Ziegahn sieht das Ganze als Dauerlernprozess. Dabei orientiert sie sich stets am Ergebnis: „Ich will mein Ziel auch erreichen.“

Autorennen auf Zeit

Freizeit scheint bei diesem Arbeitspensum ein Fremdwort zu sein. Aber für Eva Ziegahn ist ein Wochenende an der Rennstrecke die große Freiheit. Im Formula Student Team plant, schraubt und schweißt sie nicht nur, sie fährt auch. Am Skid-Pad schneidet ihr Auto gut ab. Als nächstes wäre Acceleration an der Reihe: Gas geben auf einer Strecke von 75 Metern, hier zählt die Beschleunigung. In dieser Disziplin haben weibliche Fahrer einen Vorteil: Hier kommt es aufs Gewicht an. Aber Ziegahn kann nicht starten. Das Auto streikt. Insgesamt landet ihr Team am Ende auf dem 49. Platz.
Das kann Eva Ziegahn nicht beirren. Sie träumt davon, nach dem Studium für ein paar Jahre im Motorsport zu arbeiten, am liebsten im Werksteam eins Autoherstellers. „Allerdings nicht für eine lange Zeit, denn das Privatleben bleibt dabei doch meist auf der Strecke“, sagt sie. „Und irgendwann möchte ich auch Familie haben.“

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