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Claudia Romberg: „Als ich meine Karriere begann, war ich der bunte Hund.“

Porsche-Managerin Claudia Romberg

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Claudia Romberg (Porsche) sieht auch Vorteile darin, dass Ingenieurinnen in der Autobranche oft die ersten weiblichen Wesen sind – und fordert sie zum Sprung ins kalte Wasser heraus.

Frau Romberg, wie sind Sie überhaupt darauf gekommen, Maschinenbau zu studieren?

Technik und Naturwissenschaften haben mich schon immer interessiert. Am Ende meiner Schulzeit habe ich mich dann umgeschaut, welche Studiengänge es in diesem Bereich gibt. Maschinenbau, besonders Automobiltechnik, hat mich am meisten gereizt.

Gab es Hindernisse in Ihrer Laufbahn? 

Von echten Hindernissen würde ich nicht sprechen. Natürlich ist es für einen jungen Ingenieur – egal ob Mann oder Frau – nicht einfach, ein spannendes Betätigungsfeld zu finden, sich dort zu etablieren und auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Oft muss man auf diesem Weg schwere Entscheidungen treffen und auch mal den Mut haben ins kalte Wasser zu springen; etwas ausprobieren, in einen anderen Bereich wechseln, auch wenn nicht abzusehen ist, ob das positiv oder negativ für die Karriere ist. Davor schrecken nach meiner Erfahrung Frauen eher zurück als Männer.

Sie haben 2008 auf dem technischen Kongress des VDI über Performance und CO2-Emissionen gesprochen. Dort waren Sie die einzige Frau. Ist das immer so? 

Nicht immer, aber schon häufig. Wobei: Als ich meine Karriere begann, war ich der bunte Hund – auch bei Porsche. Aber wenn ich mir die vergangenen Jahre anschaue, kommen doch deutlich mehr junge Frauen nach.

Wie kommt man damit zurecht, immer aufzufallen? 

Also ein gewisses Selbstbewusstsein ist schon hilfreich. Aber dann macht es auch wahnsinnig viel Spaß. Wenn man seinen Job gut macht und dafür Aufmerksamkeit bekommt, das ist doch positiv. Hier hat man als Frau in der Automobilindustrie wirklich einen Vorteil. Die männlichen Kollegen müssen sich viel mehr darum bemühen, aus der Menge herauszustechen. Natürlich fällt man genauso auf, wenn man einen Fehler macht.

Erleben Sie im Arbeitsalltag etwas von dem Klischee, dass Frauen besser kommunizieren als Männer?

Ich würde es nicht „besser kommunizieren“ nennen, aber an manchen Stellen sind Frauen stärker um eine gemeinsame Lösung bemüht und weniger auf den eigenen Vorteil konzentriert. Ich würde aus diesen Beobachtungen aber keine Generalregel ableiten.

Wie stellen Sie sich die Veränderungen vor, wenn ganz viele Frauen bei Porsche arbeiten würden? 

Gute Frage. Ich fände es auf jeden Fall toll, wenn noch mehr Frauen bei uns arbeiten würden. Das würde sicher alternative Ansätze und neue Ideen bringen. Aber dass alles anders und besser wäre, wenn nur Frauen unter sich wären, glaube ich nicht.

Dann mal andersherum gefragt: Worauf müssen sich Frauen einstellen, die als Ingenieurin in der Autobranche arbeiten möchten? 

Zunächst einmal auf tolle Produkte, vielseitige Aufgaben und die Herausforderung, an der Zukunft der Mobilität mitzuarbeiten. Sicher, der Ton und die Umgangsweise ist ein bisschen direkter als in anderen Branchen. Das wird häufig als ruppig empfunden, ist aber fast nie böse gemeint. Frauen sollten sich davon nicht abschrecken lassen und es nicht auf ihr Geschlecht beziehen. Klar, am Anfang hat man – zumal als Frau in einem stark technischen Bereich – Zweifel: Hab ich es wirklich drauf? Aber man muss einfach mit seiner Leistung glänzen. Meine Erfahrung ist, dass man so die Kollegen recht schnell überzeugen kann, einem zu vertrauen und einem auch etwas zuzutrauen.

Nutzen Sie spezielle Frauen-Netzwerke? 

Nein. Zu meiner Studienzeit stand das Thema noch nicht so sehr im Fokus. Außerdem hat sich nie ein Kontakt dazu ergeben. Nichts desto trotz können solche Netzwerke sicherlich hilfreich sein.

Wie fördert Porsche denn Frauen? 

Porsche will jungen Frauen Ingenieurswissenschaften näher bringen. Wir nutzen dabei vor allem zwei Kanäle: Zum einen veranstaltet Porsche regelmäßig einen Girls Day. Wir laden dann gezielt Mädchen aus Gymnasium zu Porsche ein. Zum anderen sind wir Kooperationspartner der Femtec, wo wir mit verschiedenen Universitäten zusammenarbeiten und Career Building-Programme organisieren. Ich denke, da liegt der große Hebel für die Zukunft: Schülerinnen müssen überhaupt erst einmal dafür begeistert werden, ein technisches Studium zu beginnen. Viele haben zwar Interesse für Mathematik und Physik, entscheiden sich aber dann doch fürs Lehramt. Erst wenn sich genügend Frauen an das Ingenieursstudium herantrauen, haben wir die Möglichkeit, mehr Ingenieurinnen einzustellen.

Wenn Sie sich ein Vorbild aussuchen müssten: Wäre es eine Rennfahrerin, eine Erfinderin oder eine Managerin? 

Drei interessante Optionen. Aber wahrscheinlich eine Managerin. Weil ich persönlich meine Karriere eher im Management sehe als auf der rein technischen Schiene. Wobei das Vorbild für mich nicht unbedingt eine Frau sein müsste.

Zur Person:

Claudia Romberg hat den Überblick. Als Assistentin des Vorstands für Forschung und Entwicklung bei Porsche bereitet sie wichtige Sitzungen inhaltlich vor, zuvor arbeitete die Ingenieurin sieben Jahre lang in der Motorenentwicklung. Die 35-Jährige ist verheiratet und lebt in Stuttgart.

Update [24.8.2015]: Heute erreichte uns eine sehr traurige Nachricht. Claudia Romberg starb am 10.8.2015 bei einem tragischen Unfall. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen, ihren Kollegen und Mitarbeitern.

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