Karriere & Entwicklung

Auch ´ne Option: Sich für den Betriebsrat aufstellen lassen

Frauen in der Finanzbranche. Bild: suze/photocase.de

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Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern noch Nachholbedarf in Bezug auf die Gleichbehandlung von Männern und Frauen. Vor allem die Führungsebenen von Großkonzernen gelten oft noch als Männerdomäne. Frauen muss man in vielen wichtigen Institutionen mit der Lupe suchen. Sie sind vor allem als Führungskräfte stark unterrepräsentiert und selten in Schlüsselpositionen wie einem Aufsichtsrat zu finden.

Bild: suze/photocase.de

Ein ähnliches Bild zeigen die Betriebsräte in deutschen Unternehmen: Frauen stellen hier die Minderheit. Das liegt aber nicht unbedingt an fehlenden gesetzlichen Regelungen oder der offenen Diskriminierung von Frauen. Betriebsräte stehen schließlich Frauen wie Männern gleichermaßen offen. Frauen könnten also, wenn sie wollten: Selbst schuld also?

Mittlerweile sorgt ja zumindest die Politik für Bewegung: So wurde ja die Frauenquote für die Aufsichtsräte in Aktiengesellschaften eingeführt. In einem wichtigen Kontrollgremium der Wirtschaft tut sich also was. Nur: Nach wie vor sind Frauen in hohen Managementpositionen unterrepräsentiert und der Gender-Pay-Gap schließt sich kaum. Letzteres Beispiel macht die Situation besonders anschaulich: Männer werden im Durchschnitt um 21 Prozent besser bezahlt als Frauen.

Der bereinigte Gender-Pay-Gap zeigt ein etwas anderes Bild: Demnach lag dieser im Bruttostundenverdienst zwischen den Geschlechtern in den Jahren 2006 bis 2014 zwischen sechs bis acht Prozent – für die Folgejahre ab 2015 gibt es noch keine Zahlen. Somit haben viele Frauen am Ende des Monats immer noch weniger Geld auf dem Konto als Männer, was vor allem an strukturellen Unterschieden wie Teilzeit, Unterbrechungen wegen Elternzeit bzw. am Tarifgefüge von eher „weiblichen“ Branchen wie dem Handel etc. liegt.

Karriere für Arbeitnehmerinnen in Teilzeit schwieriger

Das liegt häufig an der Doppel- oder Dreifachbelastung, die Frauen neben der Arbeit durch Kindererziehung, Haushalt oder die Pflege von Angehörigen haben. Sie stecken nach wie vor häufiger im Beruf zurück als Männer und reduzieren ihre Arbeitszeit oder nehmen sich längere Auszeiten nach der Geburt von Kindern. Wer „nur“ in Teilzeit arbeitet, wird dafür kritisiert und schnell mal angenommen, selbst schuld an den schlechten Umständen zu sein.

Damit macht man es sich zu leicht: Kinder und Karriere zu verbinden, ist ein Spagat – selbst Beruf und Kinder zu vereinbaren, höchst anstrengend. Dafür braucht es Eltern, die Karrieren beider Elternteile und Care-Arbeit fair unter sich aufteilen. Leider bedeutet oft die Geburt des ersten Kindes eine Zäsur in den vielen Erwerbsbiografien von Frauen.

Ja, Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, verzichten eher mal auf ihre Karriere oder ziehen sich sogar bewusst aus dem Beruf zurück. Sie haben oftmals andere Prioritäten und stehen sich tatsächlich hin und wieder selbst im Weg: Indem sie beispielsweise nicht oft genug eine Gehaltserhöhung einfordern oder sich nicht auf einen Posten im Betriebsrat bewerben. Aber…

Gilt die Frauenquote auch für den Betriebsrat?

Laut § 15 Abs. 2 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) muss bei einem Betriebsrat ab drei oder mehr Mitgliedern auch die Minderheit – häufig also das weibliche Geschlecht – vertreten sein, je nach Anzahl der weiblichen Arbeitnehmerinnen reicht aber oft ein einziger Sitz aus. Damit zeichnet sich eine Art „Quote“ in der Praxis vieler Unternehmen ab.

Woher kommt der Mangel an Frauen in den Betriebsräten? Die Gründe hierfür sind vielfältig und basieren auf verschiedensten Hypothesen, zum Beispiel:

  • Frauen möchten sich durch Engagement im Betriebsrat nicht noch mehr Arbeit aufbürden
  • Als einzige Frau in einem ansonsten mit Männern besetzten Betriebsrat, ist die Kommunikation eher männlich geprägt, was Frauen durchaus abschrecken kann.

Grundsätzlich sollte man hier lösungsorientiert vorgehen und sich Ziele setzen – es gibt in der Regel immer eine Lösung. So könnte sich ein Betriebsrat fragen, wie sich mehr Frauen zur Beteiligung ermuntern lassen und sich auch damit auseinandersetzen, welche Vorteile dies für die Belegschaft bedeutet – Männer wie Frauen. Natürlich müssen Frauen wie Männer in die Überlegungen mit einbezogen werden.

Fazit: Kooperation ist Queen!

Wenn sich also eine Frau für den Betriebsrat bewirbt, braucht sie wie ihr männlicher Kollege Unterstützung beim Wahlkampf. Sie sollte sich zudem mit Kolleginnen aus anderen Betriebsräten austauschen. Manchen Männern mag es ja schwerfallen, von einer Frau „geführt“ zu werden und legen ihr bewusst oder unbewusst Stolpersteine in den Weg.

Erschreckend ist, dass sich viele Frauen nicht einmal daran stören. Sie teilen sogar die Meinung, Männer seien für den Posten im Betriebsrat besser geeignet. Schön wäre es ja, wenn es nicht mehr 170 Jahre wird es bis zur Gleichberechtigung dauert, wie Experten vorsichtig schätzen. Eine Kandidatur für den Betriebsrat wäre zumindest ein erster Schritt.

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Ute Blindert ist chronisch neugierig und liebt die Themen Karriere, Arbeitsmarkt und digitaler Wandel. Darüber spricht sie gern mit und vor Menschen. Wenn sie sportlich gut drauf ist, schwimmt sie an die 10 km in der Woche. Was ihr noch fehlt zum Glück: eine perfekte Rollwende.

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