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Anastasia Umrik: „Eins steht fest: Ich passe in keine Schublade so richtig, ständig will ich sie sprengen – und manchmal gelingt es.“

Anastasia Umrik. Bild: bibilissa photography

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Anastasia Umrik ist Designerin, Bloggerin und Führungskraft. Früher wollte sie immer so sein wie alle anderen. Kognitiv gesehen, unterscheidet sie sich nicht so sehr von vielen Frauen. Einen Unterschied gibt es aber doch: Aufgrund ihrer Muskelerkrankung sitzt Anastasia im Rollstuhl und braucht ständig Assistenz. Bei unserer „Mittagspause am Mittwoch“ erzählt sie, wie sie ihre „freie Bahn“ entdeckte.  

Bild: bibilissa photography

In der Rubrik „Mittagspause am Mittwoch“ stellen wir regelmäßig Frauen – und auch Männer – vor, die uns inspirieren. Anlass für das Gespräch ist die Mittagspause, die frau ja sowieso nie allein verbringen sollte;-) Unser Gast leistet uns also (virtuell) Gesellschaft beim #neverlunchalone.

Was isst du heute Mittag?

Brot mit Butter. Bild: Anastasia Umrik
Brot mit Butter. Bild: Anastasia Umrik

Heute Mittag esse ich ein selbst gebackenes Brot mit salziger Butter – aus Zeitmangel. Aber ich habe mal wieder Lust auf eine Kürbissuppe und das wahrscheinlich so lange, bis sie mir aus den Ohren heraustropft. Und dann kommt Spekulatius. Und dann Spargel.

Vegetarisch oder Fleisch?

Vegetarisch und ganz manchmal – wirklich selten – Fisch.

Latte oder Grüner Tee?

Latte oder schwarzer Tee.

Cocktail oder Bier?

Wein! :-)

Ausgehen oder Kochen?

Früher war es eher „Ausgehen oder TK-Pizza“, heute mag ich es selbst zu kochen und das Ausgehen, wenn ich faul bin oder keine Zeit zum Kochen habe. Inzwischen lasse ich mich sogar von Bloggern inspirieren und informiere mich immer mehr über diverse Zutaten. Meine alten Freunde lachen über mich, weil sie nie gedacht hätten, dass ich mich jemals für’s Kochen interessieren würde.

Was machst du eigentlich? Beschreibe deinen Beruf in drei Sätzen.

Begonnen hat alles mit einem Foto- / Kunstprojekt, mit dem ich die Wahrnehmung auf die Weiblichkeit mit Behinderung verändern bzw. neu prägen wollte. Daraus ist mein Designlabel „inkluWAS – design, das denken verändert“ entstanden, mit dem ich seit drei Jahren durch das Design für die Bedeutung von ‚Diversity‘ plädiere. Außerdem stehe ich öfter auf Bühnen und erzähle über das Leben als Frau mit einer Muskelerkrankung, die digitale Zukunft und wie sie mein Arbeiten und das vieler Menschen mit einer körperlichen Einschränkung erleichtern kann.

Zunehmend interessieren mich Führungspersönlichkeiten und deren Teams, die ich hin und wieder in kritischen Situationen coache, weil ich durch meinen Alltag, den ich ausschließlich mit fremder Hilfe bewerkstelligen kann, viel Erfahrung in Mitarbeiterführung und -motivation gesammelt habe, und gerne meinen Wissensschatz weitergebe.

Und, naja, ich habe einen Blog: www.anastasia-umrik.de

Eins steht fest: Ich passe in keine Schublade so richtig, ständig will ich sie sprengen – und manchmal gelingt es.

Erzähl bitte mehr von dir. Wie bist du dahin gekommen? Welche Entscheidungen hast du warum getroffen?

Ich wollte immer sein wie die Anderen: So aussehen, so handeln, so arbeiten, die gleichen Ziele haben, die gleichen Partys feiern. Und in der Tat unterscheide ich mich nicht so sehr von den meisten Frauen: Kognitiv gesehen.
Optisch aber schon, weil mein Rollstuhl mich überall begleitet und hin und wieder zieht er mehr Aufmerksamkeiten auf sich als es mir lieb ist.

Irgendwann, da war ich 24, habe ich durch ein einschneidendes Erlebnis gedacht: „Fuck it! Die ganze Welt denkt eh, dass du ‚anders‘ bist, also sei es doch auch. Du hast freie Bahn…!“
Dann habe ich begonnen frei zu drehen – und mir ist noch immer nicht schwindelig genug.

Was bedeutet Karriere für dich?

Ach natürlich ist Erfolg im klassischen Sinne durch das Ansehen und das Geld ganz angenehm. Aber für mich persönlich bin ich erfolgreich, wenn ich das Gefühl habe, mich zu verwirklichen, meine Persönlichkeit mit meiner Arbeit zu vereinen.
Vielleicht mag es verrückt klingen, aber ich würde jedes erfolgreiche Projekt beenden, wenn es sich nicht mehr richtig anfühlt… Das ist für mich ‚mutig‘ und letztendlich auch ‚erfolgreich‘.

Vereinbarkeit: War oder ist das ein Thema für dich?

Ja, ständig! Ich versuche meinen Alltag, der nun mal mehr Organisation erfordert, und meine Arbeit zu vereinen. Und meine Werte mit den Anforderungen der Gesellschaft.
Sollte ich eine Familie gründen, bin ich für alle Fälle gut gewappnet! Hoffe ich.

Noch ein paar Tipps für unsere Leserinnen:

  • Lieblingsblog: www.kaiserinnenreich.de
  • Buch, das dich in letzter Zeit beeindruckt hat oder das du gern lesen möchtest: „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron

Schaut mal rein in den Online-Shop von inkluWas, es gibt ein paar richtig feine Sachen zu entdecken: www.inkluWAS.de

Ergänzung vom 1.12.2016: Daniel Bröckerhoff hat für ZDF heute+ ein Interview mit Anastasia geführt. Man sieht: Er kann Wäsche falten und kluge Fragen stellen. Besonders schön sind aber die Antworten von Anastasia Umrik:

https://www.facebook.com/heuteplus/videos/1408644005814510/

Noch mehr Mittagessen? Kannst du haben:

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