Auch in diesem Jahr findet um den 20. März wieder der Equal Pay Day mit zahlreichen Aktionen statt. Dieser Tag kennzeichnet den Zeitpunkt, an dem Frauen im Durchschnitt so viel verdient haben wie Männer bis zum 31.12. Eine gute Gelegenheit, sich einmal in Ruhe mit den Gehältern von Männern und Frauen auseinanderzusetzen.

Dabei sollte die Fragen eigentlich nicht lauten: Wer, sondern wie viel verdienen Männer mehr als Frauen? Denn auch wenn es oftmals nicht die plakativen 21 Prozent sind, zeigt sich der Gender Pay Gap selbst bei Fach- und Führungskräften in bemerkenswerter Weise.

Während männliche Fachkräfte bei rund 30.000 Euro einsteigen, liegen ihre Kolleginnen bereits beim Start um 2.000 Euro Jahresgehalt zurück. Im Laufe der nächsten Jahre steigert sich das Gehalt sowohl bei Männern wie Frauen, doch der Gehaltsunterschied bleibt. Er wird sogar größer und zwar im Alter ab 32 bis 35 Jahren.

Während der Unterschied vorher bei zirka zehn Prozent liegt, wächst hier das Minus für weibliche Fachkräfte auf 25 Prozent an. Frauen verdienen im Durchschnitt um die 40.000 Euro, Männer steigern ihr Gehalt in dieser Zeit auf rund 49.000 Euro. Später, ab zirka 50 Jahren sinkt das Gehalt von Frauen sogar um 1.000 Euro, während das der Männer auf dem gleichen Niveau bleibt.

Bei den Führungskräften zeigen sich die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen sogar noch eklatanter: Auch hier steigen Frauen bereits mit einem geringeren Gehalt ein. Männliche Einsteiger liegen bei rund 60.000 Euro, weibliche bei 50.000. Dieser Gehaltsunterschied hält sich bis Mitte Dreißig, danach müssen Frauen mit größeren Unterschieden rechnen, der Gender Pay Gap steigt auf mehr als 20.000 Euro. Dann geht die Schere sogar noch weiter auseinander, weil der Männer weiter an Gehalt zulegen, während sich bei weiblichen Führungskräften das Durchschnittsgehalt nach unten entwickelt.

Jammern hilft ja nicht!

Ein Teil des großen Gehaltsunterschieds lässt sich anhand einiger Faktoren erklären: Frauen steigen eher in Branchen ein, in denen traditionell weniger gezahlt wird, zum Beispiel im Einzelhandel. Das hängt auch mit ihren bevorzugten Studienfächern zusammen. Es studieren eben weniger Frauen Maschinenbau oder Informatik. Absolventen dieser Fächer verdienen oftmals nicht nur mehr, sie finden auch leichter Jobs, auch in großen Unternehmen. Es werden eben grundsätzlich mehr Konstrukteure oder Fabrikplaner gesucht als Marketing-Absolventen. Das erhöht die Konkurrenz untereinander und führt eher dazu, dass man mit einem Abschluss in BWL eher mal  in kleineren oder mittelständischen Unternehmen einsteigt, die einfach weniger zahlen.

Die Eltern- und Teilzeitfalle

Auch wenn sich einiges tut, noch zeigt sich in der Statistik das Bild des traditionellen Rollenverständnisses, das immer noch in Deutschland vorherrscht: Frauen bleiben eher wegen der Kinder zu Hause oder arbeiten Teilzeit. Die meisten wollen ein paar Jahre weniger arbeiten, stehen dann aber irgendwann vor dem Problem, dass sie ihre Stundenzahl nur schwer wieder aufstocken können.

Weniger Erfahrung, weniger Verantwortung = weniger Gehalt!

Und das zieht sich dann leider durch die gesamte Gehaltsbiographie. Aber was kann ich denn dagegen machen?

Hier ein paar Tipps gegen den Gender Pay Gap:
    • Machen Sie, was Sie wollen, aber machen Sie es mit Verstand. Frauen wählen oft Studienfächer, bei denen die Berufsaussichten schlechter sind als bei den bevorzugten Fächern der Männer: Also eher Ökotrophologie anstatt Biochemie oder BWL mit Schwerpunkt Marketing statt Finanzen oder Controlling.
      Nur wenn Sie etwas richtig gerne machen, werden Sie auch gut und damit erfolgreich sein! – So lautet die gängige Meinung. Ja, stimmt. ABER: Nur weil man etwas gern macht, sollte man sich nicht vor der Realität verschließen. Wenn Sie Kunstgeschichte studieren wollen, dann machen Sie es. Aber seien Sie sich im Klaren, dass die Berufsaussichten nicht rosig und die Bezahlung nicht üppig ist. Also wappnen Sie sich mit Alternativplänen!
    • Recherchieren Sie genau. Nur wer die Zahlen zu Gehaltsmöglichkeiten genau kennt, kann realistisch hoch verhandeln. Sie finden über offizielle Wege zu wenig heraus? Dann nutzen Sie Ihr Netzwerk, um möglichst genaue Werte zu ermitteln. Und dort würde ich vor allem die Männer fragen!
    • Gehen Sie gut vorbereitet in eine  Gehaltsverhandlung. Setzten Sie sich ein Maximal-, Minimal- und ein Alternativziel. Und wenn Sie bei Ihrem Maximalziel den Eindruck haben, dass Ihre Zahl richtig unverschämt ist, legen Sie noch zehn Prozent drauf!
    • Schaffen Sie Gelegenheiten! Nur wer das Unternehmen wechselt, kann sein Gehalt merklich steigern. Betreiben Sie also Selbstmarketing und machen Sie sich bekannt: auf Konferenzen, bei Projekten, auf Branchentreffen – und treten Sie selbst mit Headhuntern in Kontakt!
    • Investieren Sie in sich – und zwar Zeit und Geld! Für Ihre Karriere und damit ein höheres Gehalt muss man sich ins Zeug legen. Sie sollten aber immer auch darauf schauen, dass nur Sie selbst für sich einstehen können. Das kann niemand anderes erledigen. Also: Achten Sie darauf, dass Ihnen Zeit bleibt, um sichtbar zu sein, Neues zu lernen und zu entdecken. Und wenn wichtige Verhandlungen anstehen, dann hilft oft auch die Investition in einen Coach, um Ihre Ziele zu erreichen.
    • Und hier noch ein paar schnell Tipps für die nächste Gehaltsverhandlung von Expertin Claudia Kimich, Autorin des Buches „Um Geld verhandeln – Gehalt, Honorar, Preis„:

Gefällt dir dieser Beitrag? Dann teile ihn!