Persönlich

Mittagspause am Mittwoch: Shia Su von wastelandrebel.com

Shia heute

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Dass Shia Su ziemlich gut programmieren kann, merkt man ihrem Blog „WastelandRebel.com“ an: So schön gestaltet und mit vielen feinen Features, da kommt der IT-Profi zum Vorschein. Auf ihren Blogs Cake Invasion  Dass das „normale“ Berufsleben nichts für sie ist, merkte Shia schnell. Seitdem kann man von ihr vor allem über veganes Backen auf ihrem Blog Cake Invasion  lesen. Oder über ihr Leben als Wasteland Rebel – Going #ZeroWaste erfahren. 

In der Rubrik „Mittagspause am Mittwoch“ stellen wir regelmäßig Frauen – und auch Männer – vor, die uns inspirieren. Anlass für das Gespräch ist die Mittagspause, die frau ja sowieso nie allein verbringen sollte;-) Unser Gast leistet uns also (virtuell) Gesellschaft beim #neverlunchalone.


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Shia, was isst du heute Mittag?

Heute gibt es eine leichte, aber süße Mahlzeit, obwohl das sonst nicht so mein Ding ist. Aber das macht einfach dieses schöne Wetter mit mir! Es gibt Haferflocken mit selbstgemachter Erdnussmilch, einem frischen reingeschnippelten Apfel, einer Prise Muskat, Ingwer, Zimt und Zucker.

Vegetarisch oder Fleisch?

Vegan.

Haferflocken und grüner Tee. Bild: Shia Su
Haferflocken und grüner Tee. Bild: Shia Su

 

Latte oder Grüner Tee?

Grüner Tee! Meine Mutter ist Teeliebhaberin, und ich bin mit viel, sehr gutem grünen Tee aufgewachsen. Aber man kann das ja auch kombinieren. Gerade vorhin erst hatte ich einen Matcha-Hanfsamenmilch-Latte. Wobei meine Ma da wahrscheinlich eher ihren Kopf schütteln würde.

Cocktail oder Bier?

Pils. Duh!

Ausgehen oder Kochen?

Puh, Kochen ist für mich vergleichbar mit Putzen: Ein notwendiges Übel. Ich gehe sehr gerne auswärts essen, aber selber kochen ist natürlich ökologischer, weil man die Kontrolle darüber hat, was reinkommt: Saisonale und regional angebaute Bio-Zutaten, unverpackt eingekauft…

Was machst du eigentlich? Beschreibe deinen Beruf in drei Sätzen.


Als Blogger bin ich eine ganze Redaktion in einer Person plus eigene IT Abteilung. Aber ich mache ja noch viel mehr als Bloggen. Am 1. Juni launchte z.B. mein Buch „Zero Waste – Weniger Müll ist das neue Grün*“.

Erzähl bitte mehr von dir. Wie bist du dahin gekommen? Welche Entscheidungen hast du warum getroffen?

Hm, ich habe schon von klein auf viel Scheiße gebaut. Trotzdem habe ich immer aufgepasst, das so auszubalancieren, dass es mir nichts verbaut. Work hard, party hard. Am Ende des Studiums habe ich also trotz allen Ausschweifungen alles von der Lebenslauf-Liste abgehakt, was einem so eingetrichtert wird: Abitur, Studium mit Auslandsaufenthalten, Stipendien, hochschulpolitisches und soziales Engagement, Praktikum im Ausland und schließlich meinen Master-Abschluss mit Auszeichnung.

Dann kam mit dem eher widerwilligen Berufseinstieg die Ernüchterung: All die harte Arbeit und andauernde, widerwillige Anpassung – für so einen Scheiß?? Nee, nee, das Büroleben ist nichts für mich. Mit diesem ganz alltäglichem Bürowahnsinn inklusive Platzhirschgehabe, Sexismus, Altersdiskriminierung, Gelästere, Angst vor Veränderungen und den überzogenen Loyalitätserwartungen von Arbeitgebern möchte ich mich gar nicht herumschlagen. So unspektakulär, nervig und arbeitgebergesteuert hatte ich mir mein Erwachsenen-Leben nun wirklich nicht vorgestellt.

Vor gut zwei Jahren kündigte ich also und beschloss, einfach mal zu machen. Was? Wie? Wo? Keine Ahnung. Erst mal Abstand gewinnen. Ich würde schon auf die eine oder andere Art und Weise kreativ und produktiv werden, das war bei mir schon immer so.

Ich sehe diesen Schritt als einen meiner besten Lebensentscheidungen überhaupt an. Heute mache ich das, was mich gerade reizt. Ich blogge, wonach mir die Nase steht, ich verkaufe Fotos oder Rezepte, ich habe ein Buch geschrieben, ich gebe mal einen Workshop, halte einen Vortrag, berate oder stehe auch mal als Nachhaltigkeitsexpertin z.B. bei Funkhaus Europa Rede und Antwort.

Tatsächlich arbeite ich durchschnittlich trotzdem 50-60 Stunden in der Woche und bin auch irgendwie immer im Einsatz. Aber für Sachen, die mir Spaß machen und hinter denen ich stehen kann. Mein ganzes Büro passt in meinen Rucksack und ich kann von überall aus arbeiten. Ich kann endlich nach meinem eigentlichen Biorhythmus arbeiten. Nervt mich jemand, kann ich mein Büro einfach woanders aufbauen. Kann ich mich gerade nicht konzentrieren, backe ich. Scheint die Sonne, suche ich mir ein nettes Café mit Terrasse. Kein Tag ist wie der andere und ich erlebe und lerne immer etwas Neues und auch unglaublich inspirierende Menschen kennen.

Was bedeutet Karriere für dich? (Verstehe Karriere ruhig im Sinne von Berufsweg.)

Karriere bedeutet mir persönlich gar nichts mehr. Meine Karriere habe ich damals bewusst mit meinem Bürojob gekündigt. Und wenn es finanziell nicht reicht, gehe ich lieber kellnern. No strings attached.

Vereinbarkeit: War oder ist das ein Thema für dich?

Im Vergleich zu früher sind heute bei mir die Grenzen sehr fließend. Ich kann von überall aus arbeiten. Das bedeutet allerdings auch, dass ich überall trotzdem mehr oder weniger arbeite. Mein Mann und ich waren im März für drei Wochen in England, was sehr schön war. Wir haben den „Urlaub“ genossen, aber trotzdem zugesehen, dass wir uns zumindest 4 Stunden am Tag in irgendein nettes Café mit WLAN zum Arbeiten reinsetzen oder die Arbeit abends in der Unterkunft nachholen. Uns persönlich ist es lieber so.

Mein Mann und ich funktionieren einfach nicht gut, wenn wir ständig über 8 Stunden am Tag getrennt sind, wie es der Fall war, als wir beide Vollzeit gearbeitet hatten. Wir sind im Doppelpack ein krass eingespieltes Team und wir können wunderbar zusammen bzw. auch einfach nur am gleichen Ort arbeiten und sind so beide nicht nur ausgeglichener, sondern auch viel produktiver.

Noch ein paar Tipps für unsere Leserinnen:

  • Lieblingsblog: Puh, ich lese so viel querbeet zu allen möglichen Themen… Ein Blog, den ich seit Jahren verfolge, obwohl ich durch Zero Waste eigentlich aus dem Thema raus bin ist Blanc et Noir, einfach, weil ich die Bloggerin Erbse klasse finde und ihre Arbeit sehr schätze.
  • Buch, das dich in letzter Zeit beeindruckt hat oder das du gern lesen möchtest: Definitiv auf meiner to-read Agenda steht „Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“ von Nico Paech.
  • Mit welcher Person, lebend oder bereits gestorben, würdest du gern einmal Essen gehen? Hm, wahrscheinlich mit den Fung Brothers. Sie kennen die besten Spots für gutes Essen, sind kurzweilig und reden so viel, dass sie gar nicht zum Essen kommen – mehr für mich also!

*Amazon-Link. Wenn ihr darüber bestellt, erhalten wir eine Provision. Shia – und auch wir – weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass es schöner ist, das Buch im örtlichen Buchhandel zu kaufen.

Noch mehr Mittagessen? Kannst du haben:

Ute Blindert ist chronisch neugierig und liebt die Themen Karriere, Arbeitsmarkt und digitaler Wandel. Darüber spricht sie gern mit und vor Menschen. Wenn sie sportlich gut drauf ist, schwimmt sie an die 10 km in der Woche. Was ihr noch fehlt zum Glück: eine perfekte Rollwende.

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