Gründen Gründerinnen Köpfe

Sabine Engel: „Wenn du für deine Idee brennst, trau dich und pack es an!“

Sabine Engel organisiert mit ihrem Unternehmen Miomente kulinarische Genussevents.

Sabine Engel organisiert mit ihrem Unternehmen Miomente kulinarische Genussevents.

Als Kind wollte Sabine Engel berittene Polizistin werden. Bis sie feststellte, dass dieser Beruf ihren Ehrgeiz wohl nicht auf Dauer befriedigen würde. Also sattelte sie um und wurde Controllerin. Warum sie heute Unternehmerin ist und sehr erfolgreich kulinarische Genussevents vertreibt, erzählt sie im Interview.

Frau Engel, wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gekommen?

Alles hat damit begonnen, dass ich für meinen Mann, damals noch Freund, auf der Suche nach einem besonderen Geburtstagsgeschenk war. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, ihn mit einem Cocktailkurs mit Freunden zu überraschen. Also machte ich mich auf die Suche, klickte mich durch sämtliche Webseiten und versuchte mein Glück bei verschiedenen Anbietern. Ich telefonierte, schrieb E-Mails und besichtigte verschiedene Locations – ohne Erfolg!

Sabine Engels persönliche Tipps für Gründerinnen:

  • Klare Fokussierung ist der Weg zum Erfolg
  • Einen (passenden) Sparringpartner an der Seite zu haben
  • Dankbar für jeden Stolperstein sein, aus dem man lernt
  • Auf dein Bauchgefühl hören
  • Aufbau eines eigenen Netzwerks
  • Positionierung bei deiner Zielgruppe und wichtigen Kontakten

Sowohl Angebote als auch Qualität entsprachen einfach nicht meinen Vorstellungen. Abbringen lassen wollte ich mich von meiner Geschenkidee aber nicht. Also habe ich die gesamte Organisation eben selbst in die Hand genommen. Ich habe eine schicke Location ausfindig gemacht, den passenden Profi-Barkeeper gefunden und gemeinsam mit ihm einen tollen Kurs mit ausgefallenen Cocktails, besonderen Zutaten und leckerem Fingerfood geplant.

Mein Mann hat nicht schlecht gestaunt, als wir die Location betraten und gemeinsam mit Freunden leckere Cocktails gezaubert haben. Die Überraschung ist mir wirklich gelungen und der Cocktailkurs war ein voller Erfolg!

Ich habe die Marktlücke erkannt und mich daraufhin entschlossen, die Nachfrage nach exklusiven kulinarischen Events zu bedienen. Das war die Geburtsstunde von Miomente, einem Anbieter für besondere Genussevents: Wir schicken unsere Kunden in 22 deutschen Städten auf kulinarische Entdeckungsreisen in ferne Garküchen, aromatische Kaffeeplantagen, idyllische Weinberge und sogar auf Zeitreise zurück in Omas Backstube.

War es Ihnen schon immer in die Wiege gelegt, irgendwann einmal Unternehmerin zu werden?

Nein, Unternehmerin bin ich ehrlich gesagt eher durch Zufall geworden: Ich hatte mitten im MBA-Studium und meinem Controlling-Job die Idee für Miomente. Die hat mich dann so gepackt, dass ich einfach nicht anders konnte als parallel dazu eine GmbH zu gründen. Es hat so viel Spaß gemacht und die Umsätze kamen kurz nach Produktlaunch, sodass für mich der Entschluss zur Selbstständigkeit schnell gefasst war.

Inzwischen kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen, als Unternehmerin zu sein.

In die Wiege gelegt sind mir eher meine Leistungsbereitschaft sowie ein hoher Anspruch an mich selbst, was als Unternehmerin sicherlich nicht schaden kann.
Als Kind wollte ich sehr lange Zeit zur berittenen Polizei. Die Verbindung von Abenteuer (Polizei) mit meinem Lieblingshobby, dem Reiten, erschien mir als besonders reizvoll.

Mein Berufswunsch fiel recht schnell wieder vom Tisch, als ich merkte, dass mein Ehrgeiz und Leistungswille damit wahrscheinlich nicht ausreichend gedeckt werden würden.

Nach der Schule war für mich schnell klar, dass ich „irgendwas mit Management“ studieren möchte. Das Planen, Organisieren, Führen, Entwickeln und Umsetzen von Projekten in einem spannenden Unternehmen haben mich einfach interessiert, vielleicht auch, weil bei uns in der Schule schon immer die „Junge Karriere“ auslag, ein Jugend-Wirtschaftsmagazin vom Handelsblatt, das ich seit der 11. Klasse total gern gelesen habe :-D

Was oder wer hat Ihnen bei Ihrer Gründung am meisten geholfen?

Definitiv mein Mann! Immerhin war sein Geburtstagsgeschenk auch der Grundstein, der alles ins Rollen gebracht hat! Als Dankeschön gibt es an jedem Geburtstag immer ein Genussevent, dass wir gemeinsam besuchen als Add-on zum eigentlichen Geschenk dazu.

Es hat mir zudem sehr geholfen, dass ich zur Gründungszeit noch einen festen Job im Bereich Unternehmenscontrolling hatte. Somit war ich in der Planungs- und Aufbauphase finanziell abgesichert.

Was ist Ihr Traum? Was wollen Sie irgendwann mal erreicht haben?

Mein großes Ziel ist es, unseren Kunden weltweit die Möglichkeit zu bieten, mit Miomente auf kulinarische Genussexpeditionen zu gehen und in die Küchen ferner Länder oder die ihrer Heimat zu reisen, in die Brauereikunst einzutauchen, den Geruch von frisch geröstetem Kaffee einzuatmen oder eine Stadt ihrer Wahl kulinarisch zu erkunden. Unser Team aus mittlerweile 20 Foodies arbeitet dafür hoch motiviert, um mehr exklusiven Genuss und verschiedene Esskulturen in unsere eigenen Küchen zu bringen. Mit der Expansion nach Österreich im letzten Monat sind wir diesem Traum schon einen Schritt näher gekommen.

Hand aufs Herz: Was ist mal so richtig schief gelaufen?

Obwohl die Grundidee und das Hauptprodukt schon immer sehr gut funktioniert haben und wir damit gute Umsätze erzielen konnten, habe ich mich anfangs immer wieder von anderen Projekten und Produktideen ablenken lassen. Es gab zum Beispiel eine eigene Miomente-Eventlocation in München und einen Geschenkeshop, in dem es neben unseren Gutscheinen auch hochwertige Food-/Equipment-Artikel zu kaufen gab. Ich musste erst lernen, dass klare Fokussierung der Weg zum Erfolg ist.

Ich glaube, dass die meisten Gründer bzw. Unternehmer sich einen Sparringspartner an ihrer Seite wünschen, mit dem man sich Verantwortung teilt, sich austauscht und Entscheidungen gemeinsam trifft und der bestenfalls schon gesammelte Erfahrung, Expertise, Wissen und Know-how zum Wohle des Unternehmens einbringen kann.

Nachdem ich schon kurz nach der Gründung eigentlich wieder allein im „Gründerteam“ war, habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Weg zum perfekten Managementpartner auch lang und holprig sein kann. Leider hat sie auch für mich einige Enttäuschungen und Rückschläge mit sich gebracht, durch die ich im Nachhinein aber auch sehr viel gelernt habe, sodass ich dankbar für jeden einzelnen Stolperstein bin!

Mit zunehmender Erfahrung habe ich dann gelernt, in welchen Punkten ich nicht nur eine fachliche Ergänzung suche, sondern auch und ganz besonders auch, auf welcher persönlichen Ebene eine Augenhöhen-Management-Partnerschaft nach meinem Verständnis erfolgversprechend ist.

Mein wichtigstes Learning ist in der Tat, auf seinen Bauch zu hören – ein flaues Gefühl im Magen war bei mir bisher auch meist ein ernst zu nehmender Indikator.

Inzwischen bin ich sehr glücklich und auch dankbar für meine gesammelten Erfahrungen auf dem Weg dorthin, nun einen tollen Sparringspartner als erfahrenen Unternehmer-Mentor an meiner Seite gefunden zu haben. Ich bin mir sicher, dass die Rückschläge einfach notwendig waren und wohl weiterhin sein werden, um ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen zu können. Die gehören für mich im spannenden Unternehmer-Achterbahn-Alltag einfach dazu – genauso, wie die umso schöneren und glücklicherweise sehr viel zahlreichen Hochs, die ich mit Miomente durchstehen darf!

Und jetzt für unsere Leserinnen: Was empfehlen Sie den Frauen, die auch gründen möchten? Haben Sie einen Geheimtipp;-), der Sie besonders weiter gebracht hat?

Ich rate jeder Gründerin sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen, dieses stetig zu erweitern und die eigene Idee so oft wie nur möglich in relevanten Zielgruppen und bei wertvollen Kontakten zu positionieren.

Seinen Fokus stets auf das Hauptprojekt zu legen, ist für den erfolgreichen Unternehmensaufbau zudem essenziell.

Doch der entscheidende Schritt ist Mut: Dein bisheriger Werdegang hat nur wenig oder nichts mit Deiner Gründeridee zu tun? Lass’ Dich davon nicht entmutigen! Solange du voll und ganz für Deine Idee brennst, trau Dich einfach und pack’ es an!

Zur Person:

Nach dem Abitur in 2004 begann Sabine Engel ein duales BWL-Studium an der Berufsakademie Stuttgart in Kooperation mit der debitel AG, wo sie im Anschluss daran in Festanstellung als Controllerin tätig war. Zwei weitere Jahre Berufserfahrung im Controlling sammelte sie bei der R. Bosch GmbH, über die sie gleichzeitig ein Stipendium für ein MBA-Studium an der Steinbeis-Hochschule Berlin erhielt. Parallel dazu gründete sie in 2010 die Miomente GmbH.

Ute Blindert ist chronisch neugierig und liebt die Themen Karriere, Arbeitsmarkt und digitaler Wandel. Darüber spricht sie gern mit und vor Menschen. Wenn sie sportlich gut drauf ist, schwimmt sie an die 10 km in der Woche. Was ihr noch fehlt zum Glück: eine perfekte Rollwende.

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