Gender Diversity Karrieretipps Kolumne

„Glückwunsch, Sie haben 100 Prozent Männerquote erreicht!“

Männerquote auf den Podien. Bild: go2/photocase.de

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Es ist ja schon eine reife Leistung, eine Konferenz ausschließlich mit Männern zu besetzen. Das schafft nicht jeder. Vor allem die re:publica landet weit abgeschlagen als Schlusslicht in der deutschen Konferenzlandschaft.

Bild: go2/photocase.de


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Wie soll es auch anders sein, mittlerweile hat die Digitalkonferenz in Berlin eine Männerquote von lediglich 55 Prozent erreicht. Mies, ganz mies. Auch die Social Media Week in Hamburg macht es nicht wesentlich besser und erreicht eine Quote von zirka 50 Prozent (Zählung vom 18.1.2016, die Zahlen können sich noch etwas ändern).

Ganz gut geschlagen hat sich die Start-up-Konferenz „Bits & Pretzels“ in München, die zwar auf eine Quote von 83 Prozent Männeranteil kam – im Vergleich zur Auftaktveranstaltung 2014, bei der die Quote noch etwas höher lag. Immerhin gelang es dem Organisationsteam, die Frauen in Extra-Panels zu Entrepreneurinnen zu verstecken. Hier lag vor allem der Männeranteil bei den Zuhörern bei entspannten zehn Prozent.

Wesentlich leichter tut sich da die „Digital Media Conference„. Unter den 13 auf der Website vorgestellten Speakern gibt es eine Speakerin. Allerdings sind die Verantwortlichen auf Nachfragen und Proteste von zahlreichen Frauen eingeknickt und haben sich ihre schöne Quote von 100 auf 92,3 Prozent verringern lassen.


Okay, legen wir mal den Ironieschalter um.

Jetzt aber mal im Ernst: Die Kompetenzfrage

Wenn man bei Konferenzveranstaltern nachfragt und nachhakt, wie es zu Quoten von 80 bis 90 Prozent Männeranteil bei Sprechern, Teilnehmern in Podiumsdiskussionen und Talkshows kommt, wird oft die Kompetenzfrage in Spiel gebracht.

Wir wählen unsere Sprecher nicht anhand des Geschlechts aus. Allein die Kompetenz spielt eine Rolle. “ (Antwort auf meine Nachfrage, warum das Kolloquium „Macht. Haben wir genug davon?“ der Daimler und Benz Stiftung nur Männer als Speaker und Referenten aufführt, sinngemäß.)

 

Was war zuerst da: Henne oder Ei?

Das mit der Kompetenz ist ja so eine Sache. Viele Menschen sind kompetent, manche etwas kompetenter als andere. Aber das zu beurteilen, hat ja auch immer eine subjektive Komponente.

Meiner Meinung nach ist es fragwürdig, wenn es der Daimler und Benz Stiftung bei einem Kolloquium zum Thema „Macht. Haben wir genug davon?“ nicht gelingt, eine einzige Sprecherin zu finden. Oder der Handelshochschule Leipzig bei einer Konferenz zum Thema „Führung und Kommunikation„. Dabei geht es nicht allein um den Anteil von Frauen, auch Menschen aus anderen Kulturen, mit oder ohne Behinderung sollten selbstverständlich bei der Auswahl als Speaker, Referent oder Diskussionsteilnehmer berücksichtigt werden.

  • Sonst gibt es eine Monokultur an Meinungen und Denkweisen. Zumindest besteht die konkrete Möglichkeit.
  • Es wird der Eindruck vermittelt, es gäbe keine kompetenten Frauen zu vielen Themen.

„Frauen sagen uns immer ab!“

FrauTV hatte im Oktober 2015 mit dem Beitrag „Alibi-Frauen. Sag mir, wo die Frauen sind?“ den Finger in die Wunde gelegt: Zu wenig Frauen auf den Podien von Konferenzen und als Diskussionsteilnehmerinnen in Talkshows. Der Redaktionsleiter Gert Diedenhofen von „Hart aber fair“ beklagte sich dabei, dass seine Redaktion immer versuchen würde, Frauen als Teilnehmerinnen zu gewinnen. Diese sagten aber leider reihenweise ab, weil ihnen der Termin vier Tage im Voraus zu knapp sei und sie sich oft nicht kompetent genug fühlten. Männer hingegen würden nicht zögern und sofort zusagen.

Mal zum Nachdenken: Hier kann man die Frage durchaus auch anders stellen: Wenn es der Redaktion wirklich ernst wäre damit, könnte sie sich ja auch damit auseinander setzen, welche Bedingungen sie ändern könnten, um Frauen den Zugang zu erleichtern.

So bekommen wir mehr Frauen auf die Podien:

Jammern hilft ja nicht. Und dass sich die Bedingungen ändern, darauf können wir wahrscheinlich lang waren. Aber es gibt eine Reihe von Dingen, die wir ganz konkret tun können, um den Anteil von Frauen als Sprecherinnen und Podiumsteilnehmerinnen zu erhöhen.

  • Sorgt für Sichtbarkeit! Es gibt eine Reihe von Datenbanken, in denen ihr euch als Sprecherin eintragen könnt: Zunächst einmal das Projekt Speakerinnen.org. Ebenfalls für Frauen: Women Speaker Foundation, gegründet von Regina Mehler. Auch FrauTV hat im Rahmen der Sendung Frauen aufgerufen, sich doch als Teilnehmerin bei „Hart, aber fair“ zu melden, hier ist der Kontakt: redaktion-frauTV@wdr.de.
  • Wenn man euch fragt, sagt sofort ja! Denn wenn man euch anspricht, hält man euch ja für kompetent – also werdet ihr schon etwas sagen können. Das ganze Drumherum lässt sich auch später regeln. Und absagen kann man immer noch.**
  • Bewerbt euch um Slots! Bei vielen Konferenzen gibt es die Möglichkeit, sich mit einem Thema über ein so genanntes „Call for Paper“ zu bewerben. So zum Beispiel bei der Social Media Week, der re:publica, der WomenPower im Rahmen der Hannovermesse, den FrauenBusinessTagen der IHK Köln/Düsseldorf. Hier kommt es vor allem darauf an, euch einen guten Titel zu überlegen und schnell kenntlich zu machen, was genau euer Anliegen ist.
  • Sucht euch Unterstützer! Es gibt eine Reihe von Männern, die klar gemacht haben: Wir gehen nicht mehr auf Podien mit keinem relevanten Frauenanteil. Der kann bei einer Technik-Konferenz auch mal kleiner ausfallen als bei einer zum Thema Kommunikation. Nur 100 oder 90 Prozent Männerquote reicht nicht zu einer ausgewogenen Debatte.
  • Engagiert euch! Die Digital Media Women entstanden 2010 aus Ärger über den geringen Frauenanteil bei einer Konferenz. Seitdem setzen sie sich für mehr Frauen auf den Podien ein*. Aber auch andere Frauennetzwerke engagieren sich dafür, dass Frauen sichtbarer und gehört werden.
  • Steht für ein Thema! Podiumsdiskussionen und Talkrunden im Fernsehen sind gelebte Streitkultur. Dafür braucht es klare Positionen, manchmal auch Statements in schwarz/weiß. Bezieht also ruhig Stellung, haltet es aus, nicht allen zu gefallen.

Und wenn ich eingeladen werde?

Dann helfen dir diese Tipps bestimmt weiter:

*Disclaimer: Die Autorin ist selbst Mitglied der Digital Media Women e.V. und als Schatzmeisterin engagiert.

** Tipp von Sue Steiger, das fehlte tatsächlich noch.

  1. Super Beitrag Ute. Die Aussage, dass die Frauen alle absagen hab ich auch schon oft gehört. Z.B. Bits & Pretzels als ich bei der eigenen Absage Mut machen wollte, weiter Mädels zu suchen (dass sie die auf ne extra Bühne setzen, wusste ich da noch nicht). Aber was ist, jetzt versenden sie grade wieder die ersten Einladungen, sprechen einen aber gar nicht wieder an. Doch erstmal die Quick Wins und großen Namen? Wird irgendwann auch etwas eintönig. Da muss man sich nicht wundern, wenn Panels langweilig werden mit den immer gleichen (oft männlichen) Gesichtern…. Das ist viel Selbstselektion, wenn man schaut, wer die Veranstaltungen macht. Analog braucht es bei Aufsichtsräten und Vorständen erst Diversity im Gremium, damit mehr Diversity in den Vordergrund rutschen kann. Und damit meine ich nicht nur Frauen. Auch als Digitale fühlt man sich manchmal noch in der „Spezialgruppe“ der Nerds… ;) Das geht noch besser. Aber jetzt nicht jammern, machen.

  2. Pinkback: #DMC16: Wenn Konferenzveranstaltern ein Diskurs zu disruptiv wird | www.Sozialgeschnatter.de

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